Hervorgehoben

A Life Changing Experience

Eines Tages wachte ich auf und wusste – Ich will mein Leben verändern. So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt, aber so war es nicht. Es war viel mehr ein leichtes Jucken, wie ein Mückenstich am Po, der mich über Jahre beschäftigte. Immer wieder gab es kurze Augenblicke, in denen ich mich fragte: „Ist das jetzt echt mein Leben? Soll es das gewesen sein?“ Gefolgt von einem kurzen Moment der Atemnot, nur um dann wieder schnell den Kopf zu schütteln (als ob die Ängste und Gedanken dann einfach zu den Ohren rausfliegen würden) und meinem alltäglichen Wahnsinn gelassen und entspannt nachzugehen. Dieses Kratzen auf meinem Hintern wollte aber einfach nicht verschwinden und der Stich begann zu wachsen und sich auszubreiten. Dann hört man von allen Seiten: „Das Leben ist zu kurz! Mach was draus! Man lebt nur einmal!“ -und eh man sich versieht, hat man seinen Job gekündigt und träumt davon ein Instagram Star zu werden. Nun gut, Letzteres ist nicht wirklich mein Traum. Ich möchte eigentlich Schriftstellerin sein. Aber ich würde eine Karriere als Insta Star auf meinem Weg nach oben auch in Kauf nehmen. Gesagt, getan. Ich bin voller Datendrang, eröffne meinen Account und muss betrübt feststellen, dass ich gerade mal 2 Abonnenten habe. Kein Wunder- denn ich poste ja auch nichts. Allmählich schleicht sich bei mir das Gefühl ein, dass man als Insta Star auch arbeiten muss. Verdammt. Ich hatte mir das alles ein bisschen leichter vorgestellt. Selfies sind leider auch so gar nicht mein Ding und ich beginne, meinen Karrierewunsch zu überdenken. Wenn man 33 ist und plötzlich beschließt, sein Leben umzukrempeln, ist man entweder unglaublich mutig, sehr dumm oder einfach nur in einer Midlifecrisis- kommt ganz auf den Ausgang der Operation „Lifechange“ an. Ich bin mir im Moment noch unsicher zu welcher Gruppe ich gehöre. Werde ich nächstes Jahr wieder meinem alten Job nachgehen oder schon die neue Bachelorette sein.. ? Wir werden es sehen. Ich gebe jedenfalls noch nicht auf und werde euch über meine Fortschritte auf dem Laufenden halten. 

Alles Liebe, eure Vera

#ichauch

So ist es. Ein Foto meiner Brüste. Und ich habe dieses Bild heute ganz bewusst gewählt, weil es für mich tatsächlich sehr gut zu dem Beitrag passt, der gestern in den fünfzehn Minuten live bei Joko und Klaas gezeigt wurde. Ja, ich zeige hier Brust, gut gepuscht und ins rechte Licht gerückt, wohlgemerkt. Eigentlich kommt es auf die Halskette an, aber wir sind ja nicht dumm und verstehen, dass die Menschen zuerst mal durch Haut und Körper angelockt werden sollen. Im besten Fall gefällt jemandem auch das handgemachte Schmuckstück und er folgt daraufhin meinem Freund, der diese kleinen Acessoires selbst herstellt. (@cosos_surf)


Aber darum geht es in meinem Blog Eintrag heute gar nicht. Tatsache ist, dass ich zuerst eine Weile lang überlegt habe, ob ich genau dieses Foto auswählen soll, denn es reduziert mich ja ziemlich. Man sieht nicht mal mein Gesicht, wobei ich tatsächlich ein bisschen froh darüber bin, bei all den Spinnern auf facebook und instagram. Es ist ja sonst nicht so meine Art, mich optisch zu präsentieren und ich möchte gleich klar stellen: Das liegt an MIR, nicht etwa daran, dass ich das verurteile oder schlecht finde. Ich denke, jeder Mensch darf so viel von sich zeigen, wie er/sie möchte. Mit den Konsequenzen rechne ich. Dass jemand vielleicht sexuelle Gedanken dabei hat, sich eine Meinung bildet, mich innerlich kritisiert, etc. Mit einigen Konsequenzen rechne ich allerdings nicht: Herablassende, sexuelle Kommentare, Bilder von Penissen, Beschimpfungen, etc. In meinem Fall ist das größtenteils ausgeblieben. Ich riskiere ja auch nicht sehr viel mit meinen Einträgen hier und bei 100 Followern.


Andere, die sich vielleicht sexy präsentieren, stehen da schon ganz anders im Fokus. Und dabei möchte ich hier gar nicht nur die Männerwelt verurteilen (dazu komme ich dann später wahrscheinlich doch noch kurz ein bisschen), sondern ganz im Allgemeinen Menschen. Wir Frauen sind oft die größten Kritikerinnen von anderen Frauen und ich selbst kann mich da an der eigenen Nase fassen. Da nimmt man plötzlich eine Frau nicht mehr ernst, weil sie sich ihre Brüste machen hat lassen, eine Yogalehrerin ist keine richtige Yogalehrerin, weil sie auch sexy Fotos macht, eine Politikerin ist nicht gut, weil sie zu viel auf ihr Äußeres achtet oder gerade umgekehrt, weil sie zu wenig darauf Acht gibt. Es funktioniert in alle Richtungen und ich glaube tatsächlich, dass das ein massives Problem unserer Gesellschaft ist. Ich bin Teil davon.


Als ich in Lateinamerika war, habe ich beobachtet, dass die Frauen trotz Cellulitis Schenkeln, die kürzesten Röcke getragen haben. Ihr üppigen Dekoltées wurden offen präsentiert. Sie haben getanzt, gelacht, manchmal war es sogar für meine europäischen Augen gewöhnungsbedürftig, wie freizügig sich die Frauen zeigten. Mit der Zeit habe ich dann umgedacht. Es war heiß, es war schön und ich hatte auch Lust mit Minirock und bauchfrei das Haus zu verlassen. Dann tat ich es einfach. Ich habe mich nicht mehr um meine Schenkel gekümmert, ich habe getanzt, gelacht und mich frei gefühlt. Eigentlich wollte ich das unbedingt hier zuhause auch machen, aber sobald ich wieder europäische Luft geschnuppert habe, fühlte ich mich sofort kritisiert, beäugt, verurteilt. Vielleicht nur in meinem Kopf, aber da ich auf beiden Seiten zuhause bin, glaube ich auch, tatsächlich, dass wir uns gegenseitig immer wieder automatisch beurteilen und verurteilen. Es ist ein Balanceakt, anderen Menschen zu gefallen. Nicht nur Männern, auch Frauen.


Und nun komme ich zum eigentlichen Thema. Gewalt an Frauen. Gleich vorweg muss ich eine Lanze brechen für all die lieben, intelligenten, tollen Männer da draußen, die das NICHT betrifft. Ich glaube fest daran, dass ihr eigentlich in der Überzahl seid. Meine Brüder und männlichen Freunde sind allesamt tolle Männer. Ich respektiere sie, sie respektieren mich und auch wenn ich finde, dass es Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt, die ich persönlich auch sehr gut finde, fühle ich mich gleichberechtigt, geliebt, wertgeschätzt und gesehen. So viel mal dazu. Es gibt aber auch die andere Seite. Und die spürt Mädchen, Frau jeden Tag. Ich habe einmal versucht, das einem Freund zu erklären, der nicht verstanden hat, warum ich mich mit einem Pfefferspray bewaffnet nachts sicherer fühle.


Wenn ER durch den Park geht, kann es sein, dass er ausgeraubt wird, im schlimmsten Fall verprügelt. Wenn er nichts dabei hat, ist er wahrscheinlich ziemlich uninteressant, wenn er groß und kräftig ist, noch weniger. Wenn ICH nachts durch den Park gehe, brauche ich keinen Minirock zu tragen, eine Jogginghose tut es auch, ich brauche kein Geld dabei zu haben, es ist egal, wie groß ich bin, ich habe etwas, dass Männer instinktiv haben wollen: Meinen Körper. Genau genommen: Meine Vagina. Und ich sage das hier jetzt mal so unverblümt, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass mich dieser Körperteil angreifbar macht.


In meinen Zwanzigern habe ich die verschiedensten Erfahrungen gemacht: nette
Jungs, weniger nette Jungs, richtig schlimme.
Nein heißt Nein. Jedes einzelne Mal, von jeder einzelnen Frau.
Selbst eine Prostituierte hat das Recht, Nein zu sagen. Nur mal so in den Raum gestellt. Nur weil man normalerweise mit Vielen schläft, heißt das nicht, dass man es in diesem einen Fall auch so machen möchte. Aber ich schweife vom Thema ab.


Es geht ja nicht mal nur um physische Gewalt. Man lernt früh in seinem Leben, sexuelle Kommentare einfach zu überhören, sie wegzulächeln, wenn es notwendig ist. Im Ferialjob vom Vorgesetzten zum Beispiel, vom Vater der Freundin, von Onkeln, etc. Eine Frau sieht sich dem immer wieder ausgesetzt, meistens ignorieren wir es einfach. Und natürlich, manchmal kann der feine Unterschied für einen Mann nicht so leicht zu erkennen sein. „Dein Arsch sieht gut in diesen Jeans aus“, ist vielleicht vom süßen Nachbarn noch ganz schmeichelhaft, während es vom 20 Jahre älteren Hausmeister unangebracht ist.

Ich will damit sagen, dass mir ein bestimmter Mann gerne Penisfotos schicken darf, während ich sie von anderen nicht haben will. Dass mir auch männliche Freunde durchaus mal ein Kompliment zu meinem Körper machen dürfen, weil ich gerne sexy und schön bin, während sich der Taxifahrer seinen Kommentar bitte sparen kann. Woran, lieber Mann, erkennst du also, ob ein sexueller Kommentar Gewalt an Frauen ist, oder nicht?


Ich habe mir an dieser Stelle kurz überlegt, ob ich eine Art Checkliste für Männer erstellen sollte, damit sie lernen können, wann Kommentare angebracht sind und wann nicht, aber dann musste ich an die Männer in meinem persönlichen Umfeld denken. Die wissen das einfach. Die müssen das nicht lernen. Heißt nicht, dass sie nicht auch sexuelle Kommentare machen. Machen wir Frauen hinter dem Rücken der Männer ja auch hier und da. Aber sie erkennen den Unterschied, haben das nötige Feingefühl, wissen, wann etwas noch Spaß unter Freunden ist und wann es respektlos und herablassend wird.

Sie haben Schwestern, Freundinnen, Mütter und wollen nicht, dass man sich respektlos dazu äußert.
Ich glaube, es ist wichtig, dass wir jene Männer mit ins Boot nehmen, denn sie sind das Vorbild. Wenn sie im Freundeskreis mitbekommen, dass eine Frau herablassend behandelt wird, würde ich mir wünschen, dass sie den Mut haben, für sie einzustehen und Stellung zu beziehen. Sie sind vielleicht die Sporttrainer, Onkel, Väter, Brüder, die zeigen können, dass man eine Frau mit Respekt behandelt, dass Sex zwischen zwei Menschen einvernehmlich sein muss. IMMER. Dass die Zurückweisung einer Frau noch kein Grund sein muss, sie mit herablassenden Kommentaren auf ihr Äußeres, etc. zu beschimpfen, dass man ein Mädchen sicher nach Hause begleitet, dass man ein Mädchen zuerst mal kennen lernen kann, um festzustellen, ob sie sich über einen Kommentar zu ihrem Aussehen freuen würde oder ob es unangebracht wäre, etc.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele finden, aber ich glaube, das braucht es für diese Männer gar nicht, denn sie wissen es. Das hier ist kein Frau gegen Mann, sondern nur ein Mensch gegen Gewalt. Physisch, mental und emotional. Ich könnte noch viel zu diesem Thema sagen..Frauen im Beruf, Jobbewerbung mit Kinderwunsch, das Bild, das Frauen verkörpern und dem sie gerecht werden sollen oder das Bild, dem Männer gerecht werden sollen. Der Druck, der auf ihnen lastet. Vielleicht kommen dazu mal noch weitere Blogeinträge. Für heute lass ich es gut sein.

Seid gut zueinander! Vera Vis.

Hin und Her…

Im letzten Eintrag habe ich vom Ende meiner Reise berichtet. Von den Strapazen, von den Veränderungen, von meinen Eindrücken. Erkenntnis, Wut, Überraschung, all diese gemischten Gefühle. Jetzt bin ich schon seit ein paar Tagen in Selbstisolation. Man möchte meinen, dass diese Zeit in einer kleinen Wohnung, ohne soziale Kontakte wenig Material für einen Blogeintrag hergibt, aber ich fühle mich trotzdem ein bisschen nach schreiben, denn die gemischten Gefühle nehmen kein Ende.

Wie sehen also meine Tage jetzt aus? Ich koche. Ja tatsächlich. Wer mich kennt, weiß, dass ich viel lieber esse, als das ich koche. Ich wasche sogar lieber ab, als das ich koche und wenn ich koche, gibt es immer eine 50/50 Chance, dass es richtig gut oder mittelmäßig genießbar ist. Gestern konnte ich in dieser Wohnung keinen Pfeffer finden. Es ist ja nicht meine Wohnung, denn ich habe ja keine Wohnung! Da habe ich einfach mal Chilipfeffer ausprobiert (solange es irgendwas mit Pfeffer zu tun hat, wird es schon passen) – Naja. 

Ich verbuche es trotzdem als Erfolg, denn zumindest hat außer meinem Mund sonst nichts gebrannt. Hätte auch schlimmer kommen können, wenn ich am Herd stehe.

Heute habe ich mich dann endlich zum Joggen verabredet. Ja richtig! Ich war joggen. Auf meinem Balkon! Ich habe besonders darauf Acht gegeben, dass ich mich nicht verletze! 🙂 Und meine Freundin ging in ihrem Garten joggen. Wir haben telefoniert und ich befürchte, das ganze Wohnhaus gegenüber hat gedacht, ich bin verrückt. Aber ich wette, dass ich heute Nacht besser schlafen werde.

Meistens bin ich nämlich im Moment nachts wach. Zum einen weil ich immer noch an einem Jetlag leide und die Tatsache, dass ich den ganzen Tag kaum Bewegung habe macht die Umstellung nicht gerade einfacher. Zum anderen, weil ich oft nachts wach liege und mir Gedanken mache. Die letzten Wochen kreisen in meinem Kopf, ich bin noch dabei, alles zu verdauen, sacken zu lassen und erst einmal zu realisieren. Und trotzdem finde ich das alles in gewisser Weise bemerkenswert. Während die Weltwirtschaft zusammen bricht und Vieles irgendwie völlig aus dem Ruder gerät, gibt es doch auch so viele kleine Nuancen in diesem ganzen Chaos, die mich zutiefst berühren und mir wirklich Hoffnung machen. Ich glaube, dass nicht nur ich das spüre. 

Zusammenhalt. Wir alle sitzen irgendwo getrennt in unseren Wohnungen und trotzdem sind wir mehr gemeinsam, als ich es je zuvor gespürt habe. Wir tauschen uns aus, trösten einander. Plötzlich verschicken Menschen wieder Blumen, einfach so. Nur um zu zeigen, dass sie noch da sind! Sie rufen wieder an, weil man die Zeit hat, jetzt auch mal zu plaudern. Man wird kreativ, überlegt sich, wie man einander helfen kann. Die Menschen singen gemeinschaftlich Geburtstagslieder, klatschen auf Balkonen, zeigen einander ihre Dankbarkeit.

Diese Krise macht vor niemandem Halt. Sie unterscheidet nicht zwischen reich und arm, Religion, Rasse, Aussehen, Geschlecht, etc. Es betrifft uns alle gleichermaßen. Das verbindet. 

Trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede in den Auswirkungen und ich finde, dass wir uns das bewusst machen müssen. Freunde von mir sind praktisch im Ausland gefangen, warten darauf, dass sie abgeholt werden. Sie sehen, wie die Gesellschaft in diesen Ländern zusammen bricht. Wenn diese Menschen Quarantäne haben, bedeutet das, dass sie womöglich nicht genug Nahrung haben, kein Geld mehr bekommen, ihre Familien nicht versorgen können. Das ganze System bricht zusammen. Militär auf der Straße, Waffen, Ausschreitungen. Keine ausreichende medizinische Versorgung. Wenn überhaupt Quarantäne möglich ist. Was ist mit Straßenkindern, Favelas, Slums, etc.? Da verwundert es schon manchmal, dass es bei uns das größte Problem zu sein scheint, dass wir nicht mehr auf unsere heiß geliebten Berge können. Ich möchte hier aber nicht mit erhobenem Zeigefinger da stehen, denn ich glaube tatsächlich, wenn manche Menschen jetzt noch nicht begriffen haben, dass diese Geschichte nachhaltige Auswirkungen auf uns alle haben wird und wir nichts weiter tun können, als Regeln zu befolgen und abzuwarten, dann wollen sie es schlichtweg nicht begreifen. Da nützt die beste Argumentation nichts mehr. 

So wie in diesem Blog Post liegen Gut und Schlecht, Freud und Leid immer nah beieinander. Mit diesen gemischten Gefühlen gehe ich im Moment durch den Tag oder die Nacht- bzw. durch die ca 25 qm Wohnung meiner Freundin. Manchmal überwältigt und voller Freude über die wunderbaren zwischenmenschlichen Begegnungen, die man trotz der Distanz im Moment hat, tief berührt von Menschen, die sich engagieren und optimistisch und hoffend, dass all das eine tiefgreifende Veränderung in uns hervor rufen wird, dass sich womöglich alles gerade wandelt. Dass wir begreifen, wie leicht es wäre, unseren Planeten zu retten, wenn wir alle an einem Strang ziehen würden, dass wir erkennen, wie wichtig Zeit und zwischenmenschliche Kontakte sind, dass wir entschleunigen und uns selbst besser kennen lernen, zur Ruhe kommen. Unendlich dankbar für die Hilfsbereitschaft und das Miteinander.

Manchmal tanze ich (wie man gesehen hat) und ich habe mich so gefreut, als mir spontan andere Quarantäne Tänze zurück geschickt haben. Immer weiter so! 🙂
Ich bin trotz alldem lustig und freue mich über die vielen Corona Scherzvideos. Spaß muss sein.. Das ist die eine Seite.

Im nächsten Moment lese ich dann traurige Zahlen.. hinter denen Schicksale stehen, Menschen die sterben, die ihre Arbeit verloren haben, die Angst haben. Politiker, die anscheinend gar nichts verstehen und eine Welt, die dieses Problem nur deshalb so ernst zu nehmen scheint, weil es die Wirtschaft und den Tourismus betrifft. 

So schwanke ich hin und her zwischen Frohmut und Traurigkeit zwischen Tanzen und Nicht-Schlafen, zwischen genießbarem Essen und brennendem Mund. Aber all dieses Wirrwarr ist für irgendetwas gut, da bin ich mir sicher.

Fazit für heute..
Bleibt weiterhin so schön liebevoll. Bleibt weiterhin mehr zusammen als getrennt!

Und bleibt weiterhin zuhause!

Lots of love. Vera Vis.







Corona also.

So. Hier bin ich wieder. Es hat einige Zeit lang gedauert. Ich könnte hier nun von vielen Ereignissen berichten. Zum Beispiel von dem schönen Dominical, das Susi und ich sehr genossen haben. Von dem Tag als ich fast im Pazifik ertrunken wäre und mich unsere zwei französischen Reisebegleiter gerettet haben. Von der Suche nach einem Wal in einer höchst skurrilen Reisegruppe und unserer Weiterreise nach Pavones, wo wir mit den Jungs in einem Haus gelebt haben und Susi von einer Kellnerin um ihre Patacones betrogen wurde. (Ich habe mich in ihrem Namen gerecht, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. ) Es gäbe so viele lustige und für mich mehr, für andere vielleicht weniger spannende Geschichten zu erzählen. Aber all das rückt in den Hintergrund nach den Ereignissen der letzten Tage. Ich bin jemand, der diese Plattform meistens nutzt, um mit einem Augenzwinkern von meinen Erlebnissen zu erzählen, aber dieses Mal ganz im Ernst. 

Corona also. Noch vor wenigen Wochen dachte ich, die Menschheit übertreibt. Ist ja nur eine Grippe. Ich habe teilweise in meinem Blog sogar Witze darüber gemacht. Die Chinesen taten mir leid, aber sie sind ja zum Glück weit weg. Wenn ich welche am Flughafen gesehen habe, habe ich einfach einen Bogen um sie herum gemacht. Not my problem also. Den ersten italienischen Fall haben wir in Santa Teresa mitbekommen.

Immer wenn jemand dann gehustet hat, habe ich gelacht und gesagt: „Corona also!“ Als wir in Dominical waren, hatte sich die ganze Lage in Italien schon zugespitzt, uns verging das Lachen allmählich und ich habe meine Eltern darin bestärkt, zuhause zu bleiben. Mit mir hatte das ganze allerdings immer noch nichts zu tun. In Pavones lebten wir frisch und fröhlich vor uns her und diskutierten höchstens mal, wie verrückt das ganze jetzt langsam in Europa wird. Dann überquerten Susi und ich wieder die Grenze zu Panama, wo zum ersten Mal jemand Fieber gemessen hatte. „Corona kommt auch hier langsam an“, dachten wir noch erheitert, aber so langsam mit mulmigem Gefühl im Magen.

Angekommen in Santa Catalina von wo aus wir ursprünglich unsere Reise gestartet hatten und wo wir sie auch beenden wollten, hatten wir den Eindruck, dass der Vibe irgendwie ein bisschen anders als beim letzten Mal war. Ich führte es auf die kühle Meeresströmung und das Wetter zurück. Susi und ich verbrachten einen wunderschönen Tag am Strand, fuhren mit unseren gemieteten Rädern wieder zum Hostel und überlegten, ob wir unsere Reise nicht spontan verlängern wollten, weil uns alles so gut gefiel. Angekommen im Hostel dann die Botschaft: In Österreich schließen die Schulen demnächst. Seltsames Gefühl. Wir waren uns einig, dass das notwendig ist. Zum Glück weit weg von uns, denn wir lagen in Hängematten in der Sonne, dachten an Kokosnüsse und Surftage und versuchten unsere hysterischen Familien zu beruhigen, die so langsam Stress machten, dass wir wohl nachhause kommen sollten.

„Warum sollte ich nach Corona kommen?“, fragte ich scherzhalber meine Freunde. „Hier ist es herrlich und wenn, dann fahre ich zurück zu den Jungs nach Costa Rica, nach Pavones.“ Susi wurde so langsam nervös. Die ersten Coronafälle waren in Panama aufgetaucht. Wir erhielten hier kaum Informationen, aber was wäre, wenn es hier auch so steigen würde? Ich zerstreute ihre Ängste. Corona verbreitet sich doch viel heftiger in kühleren Regionen. Wahrscheinlich wäre es das beste, das ganze hier auszusitzen. Ganz so konnte ich den Urlaub aber schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genießen. Ich war wütend auf Freunde und Familie, die mich dazu bewegen wollten, schon früher nachhause zu fliegen, wo ich doch sogar mit dem Gedanken gespielt hatte, hier länger zu verweilen. Reine Panikmache.

Nächster Tag. Plötzlich war es sehr viel ruhiger beim Frühstück. Etwas Seltsames lag in der Luft. Österreicher und Deutsche unterhielten sich. Kurz empfahl, die Heimreise anzutreten. Der also auch noch. Na toll! Die Deutschen waren noch ganz entspannt. Merkel hat nichts dergleichen gesagt! Holländer, Franzosen, alle vollkommen verwirrt, weil wir Österreicher plötzlich so gestresst wirkten, weil unsere Familien wollten, dass wir nachhause kommen. Susi und ich waren schon richtig unbeliebt, weil wir nur noch über dieses lästige Corona reden konnten. Als eine deutsche Ärztin ganz relaxt meinte, sie würde sich im Notfall hier von Fisch und Mangos ernähren, überlegte ich nur, dass meine Fructoseintoleranz  nicht so viel Freude mit Mangos hätte, während Susi sich schon gedanklich ein Horroszenario ausmalte.. Kein Essen, abgeschieden in einem Ort ohne Bankomat,.. Ich hielt sie für panisch und dachte, ihre Familie hätte sie nun ebenfalls verrückt gemacht.

Susi beugte sich dem Druck, erwarb einen überteuerten Direktflug nach Deutschland für drei Tage später und damit stand fest: Entweder ich blieb allein zurück oder ich musste ebenfalls diesen Flug buchen. Ich überlegte tatsächlich, ob ich einfach wieder über die Grenze nach Costa Rica zu den Franzosen fahre und mit ihnen dort das ganze aussitze, aber dann hörten wir Gerüchte, dass die Grenze zu sei. Innerhalb von zwei Tagen geschlossen. Seltsam. Auch die Schulen in Panama nun alle zu. Seltsam. Informationen kamen immer nur auf direkte Nachfrage, sehr zögerlich und eher in Form von Gerüchten zu uns. Was also glauben?

Nächster Tag. In Österreich nun einige Orte komplett isoliert, Grenzen schließen. Ausgangssperren sind in Planung. News: Susis teurer Flug wurde gestrichen. Ich war insgeheim froh, ich wollte nicht so viel Geld ausgeben. Meine Entscheidung wurde mir abgenommen. Allmählich beschlich mich immer mehr und mehr ein ungutes Gefühl. Nichtsdestotrotz.. wir gingen zur Yogastunde, fuhren zum Strand und begegneten dort wieder der deutschen Ärztin, die immer noch singend und fröhlich mit ihrem Fahrrad durch die Gegend fuhr. Das Leben war noch ok. Also warum Panik? Susi fragte nach. Beim Hostelmanager, beim Bäcker hier. Die Vorhersagen waren höchst beunruhigend: Der Präsident von Panama verhängte den Ausnahmezustand. Bald würde alles schließen, auch die Hostels. Die Menschen hier würden ihre Arbeit verlieren und in diesen kleinen Orten war die Versorgung mit Nahrungsmitteln etc. eher fraglich.

Jetzt ließ auch ich mich überzeugen. „Wir müssen nachhause, denn Urlaub macht so keinen Sinn mehr.“ Mitten in der Nacht lag ich wach im Bett. Susi hatte eine Idee. Wir könnten doch versuchen, unseren ursprünglichen Flug einfach umzubuchen. Zur Erklärung, wir haben im Vorhinein schon einmal umgebucht und hatten große Probleme dabei, deshalb erschien uns das anfangs als zu kompliziert. Durch die Zeitverschiebung war es möglich, dass ich mitten in der Nacht mit meiner Schwester Kontakt aufnehmen konnte, die endlich erleichtert feststellen durfte: Ich will nachhause. Sie hat sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt und den erst besten Flug für uns ergattert. Am Dienstag. Es war die Nacht auf Sonntag. Immer noch zwei Tage Zeit. Wie schön. Wir würden den Sonntag noch mal am Strand verbringen, Montag gemütlich nach Panama City fahren, bei unserer Freundin übernachten, die wir anfangs am Flughafen kennen gelernt hatten und die andere Hälfte meines Gepäcks abholen und am Dienstag gemütlich fliegen.

Wir freuten uns nicht auf die bevorstehende Isolation zuhause und fürchteten uns ein bisschen, aber jetzt war erst mal noch Entspannung angesagt. Wir hatten unseren Flug und das Wetter lud Sonntagmittag zum Strandtag ein. Schon wieder weniger Leute hier. Wir waren fast nur noch allein auf der Straße. Was war hier los? Susi und ich machten uns voller Freude auf den Weg zum Strand. Er war leer. Keine Menschenseele. Man konnte kein Surfbrett mehr ausleihen, kein Restaurant hatte geöffnet. Wo bekamen wir Wasser? Zwei deutsche Mädels aus einem Surfcamp bekamen unsere fragenden Blicke zufällig mit. Sie erklärten uns, dass die Polizei den Strand gesperrt hatte und, dass es Gerüchte gab, wonach noch heute alle Straßen dicht machen würden. Susi hatte das Ganze noch nicht so ganz realisiert, überlegte, ob sie vielleicht doch noch mal ins Wasser springen könnte, jetzt wo die Polizei gerade weg war. „NEIN!“, jetzt war ich es, die Panik bekam. „Wir fahren jetzt sofort!“ Nachdem die Mädchen noch einmal versicherten, dass es sein könnte, dass die Straßen schon ab dieser Nacht geschlossen werden, realisierte auch Susi den Ernst der Lage.

Später stellten wir fest, dass wir uns mit der Panik immer abgewechselt hatten, was uns zum Glück dazu brachte, trotzdem schnell die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Gesagt, getan. Was ursprünglich noch als gemütlicher Strandtag geplant war, endete damit, dass wir schweißgebadet innerhalb von einer halben Stunde unsere Sachen packten, mit einem spanischen Pärchen gemeinsam überstürzt in ein Taxi stiegen, in Santiago dann in den Bus und spät abends, nach siebenstündiger Fahrt, endlich die Wohnung unserer Freundin erreichten, wo uns ihr lieber Mitbewohner herzlich empfing, weil sie selbst gerade nicht da war.

Anscheinend war es die richtige Entscheidung, sofort loszufahren, wie wir später erfuhren. Susi und ich realisierten noch gar nicht, was das alles zu bedeuten hatte. Am nächsten Morgen waren wir plötzlich zu fünft in der Wohnung. In der Nacht waren noch zwei Mädels dort gestrandet, die uns erzählten, dass die Inseln nun alle geschlossen hatten und die Busverbindungen bald unterbrochen wurden. Eine seltsame Stimmung lag in der Luft. Plötzlich wurde uns klar, dass wir vielleicht gar nicht mehr zurück kommen können. Die Mädchen hatten keinen Rückflug bekommen. Der Flugverkehr nach Europa war eingestellt, selbst Kolumbien ließ niemanden mehr ein- oder durchreisen. Die Mädchen (23 und 25) hatten keine Chance, auszureisen. Die deutsche Botschaft konnte ihnen ebenfalls nicht helfen.

Uns dämmerte, dass dieser Flug wohl unsere letzte Chance wäre, das Land zu verlassen. Sie erzählten uns von Freunden in Santa Catalina, die nun dort festsaßen, ohne Bankomat, und nicht mehr weg kommen würden. Den letzten Tag in Panama City verbrachten wir damit, herum zu liegen und die Wohnung kaum noch zu verlassen. Jetzt machten die Menschen nämlich einen großen Bogen um die Europäer, genau so wie ich es bei den Chinesen gemacht habe. Wir wurden angestarrt, die Menschen wollten nicht mit uns sprechen und traten einen Schritt zurück, wenn sie hörten, dass wir eine europäische Sprache sprachen.

So schnell wendet sich das Blatt. Den letzten Abend verbrachten wir zu fünft bei einer Pizza auf einem Rooftop, ganz leer, starrten in die Skyline von Panama City und fragten uns, was all das wohl mit der Welt machen würde. 

Um 5.30 Uhr dann Tagwache. Die Mädels blickten uns traurig nach, denn sie hatten trotz vieler Versuche, immer noch keine Möglichkeit auszureisen. Unser Flug ging über Amerika. Jeder hatte uns davon abgeraten, aber am Ende war es unser Glück, dass wir schon bei der Hinreise das ESTA Visa beantragt hatten. Jetzt war es anscheinend sehr schwer, es noch zu bekommen, deshalb konnten die wenigsten über die USA ausreisen, aber Susi und ich hatten es ja schon.

Am Flughafen war nicht viel los. Nur wenige Flieger starteten noch. Wegen technischer Probleme verzögerte sich schon der Check-in. Die Stimmung war angespannt. Wir trafen die deutsche Ärztin wieder, die inzwischen völlig aufgelöst am Boden saß und mit den Nerven am Ende war. Sie schilderte uns von furchtbaren Zuständen in Santa Catalina, Touristen waren sogar attackiert worden, die Gäste aus den Hotels geschmissen, die deutsche Botschaft konnte ihr nicht helfen und hat sie mit den Worten vertröstet: „Wir sind doch kein Reisebüro.“

Sie hatte es zum Flughafen geschafft und wartete nun auf einen der wenigen Flüge über Mexiko, der sie fast 4000 Euro gekostet hatte. Spätestens da war ihr die Lust auf Fisch und Mango ebenfalls vergangen. Susi und ich waren den Tränen nahe, als wir tatsächlich boarden konnten und nach New York fliegen durften. Auch nur möglich, weil wir schon über 14 Tage auf unserer Reise gewesen waren. All jene, die erst seit kurzem dort waren, hatten keine Chance, auszureisen. Ein deutsches Pärchen wurde wieder aus dem Flugzeug geholt, weil sie kein ESTA Visum bekommen hatten. Schon in Panama am Flughafen sah ich also Touristen weinen und verzweifeln. In New York war es dann vollkommen unerträglich, als wir endlich im Flugzeug saßen und die Crew uns dann plötzlich mitteilte, wir dürften nicht starten, weil nicht alle Passagiere in Deutschland einreisen dürfen. Ich und Susi starrten uns an, unser Herz blieb kurz stehen. Dann erst präzisierte die Crew, dass EU Bürger doch einreisen dürften. Das Pärchen vor uns aber nicht. Die Frau heulte, ich weinte mit ihr.

Letztendlich mussten wir alle aus dem Flugzeug raus und neu boarden, weil unklar war, wer nun mitfliegen durfte und wer nicht. All das war für uns eine emotionale Berg- und Talfahrt. Wir waren übermüdet, besorgt und realisierten noch gar nicht, wie schnell das nun alles gegangen war. In München angekommen, klappte dann aber alles zum Glück sehr einwandfrei. Wir fuhren mit dem Zug nach Salzburg, dann nach Innsbruck, ich bekam den Schlüssel für die leerstehende Wohnung einer Freundin aus einem Fenster zugeworfen, man stellte mir Essen und Kleidung vor die Tür und nun sitze ich hier mit Jetlag wach im Bett und lasse die vergangene Woche Revue passieren. 

Corona also. Was bleibt?

Scham. Weil ich mich über andere lustig gemacht habe. Weil ich dachte, ich wäre nicht betroffen.

Schock. Über alle die Ereignisse, die vielen Kranken, Toten in Italien, die Attacken auf andere Menschen, die weinenden Menschen am Flughafen, die Eindrücke, die ich gesammelt habe.

Einsicht. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie es Flüchtlingen ergehen muss, weil ich wirklich einen privilegierten, weißen Arsch habe (tut mir leid, aber es ist so)- aber das Gefühl, nirgends gewollt zu sein, dass man nirgendwo einreisen darf, Freunde zurück lassen muss, seine Familie vielleicht längere Zeit nicht sehen wird (Manche können evtl. monatelang nicht ausreisen), dass Menschen einen meiden, einen komisch anschauen, mit einem nicht reden möchten. Dass sie glauben, man brächte Krankheiten, Unheil, dass man nirgends erwünscht ist. Ansatzweise und ich betone es noch mal, wirklich nur im Ansatz, konnte ich da hinein spüren. Und dieses Gefühl.. NO MORE WORDS.

Erkenntnis. Dass wir so winzig klein auf dieser Welt sind und so wenig Kontrolle haben. 

Sorge. Um jene, die jetzt noch festsitzen. Freunde in Peru, in Panama, in Costa Rica und Angst haben, dass sie lange nicht mehr nachhause kommen, weil alle Flughäfen schließen. Um meine Eltern, Menschen, die krank sind.

Wut. Über jene, die denken, dass es ok ist, wenn ich mich nicht an die Quarantäne halte, denn ich bin jung und mich betrifft es nicht. Über Präsidenten, die Wirtschaft, die Mächte dieser Welt, die nichts aus all dem lernen werden.

Dankbarkeit. Für so viel Herzlichkeit, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, unser Gesundheitssystem, Glück..

Verantwortungsgefühl. Ich bin ein Teil des Ganzen. Deshalb bleibe ich zuhause. Ich gehe auch nicht auf den Berg, denn ich könnte mich verletzen und unser Gesundheitssystem überfordern, ich gehe nicht joggen, denn ich bin tollpatschig, ich gehe nicht einkaufen, denn ich habe gerade drei Länder bereist und bin ein Risiko für andere, ich bleibe DAHEIM. So lange es eben dauert.

Verwunderung. Weil ich auf meiner weiteren Reise nicht einmal untersucht worden war, weil ich in München nur wenig von Ausgangssperren bemerken konnte, weil es tatsächlich in Innsbruck anscheinend immer noch Menschen gibt, die nichts begriffen haben.

Zuversicht. Weil es auch so viele gute Menschen gibt. Pfleger, Ärzte, Helfer, etc. Weil so viele Leute kreativ bleiben, einander unterstützen und wir als gemeinschaftliches Sozialsystem zumindest noch funktionieren. 

Freude. Weil man in China den Himmel wieder sieht, Fische nach Venedig zurückkehren, die Welt sich offenbar rasant erholen kann..

Solche Ereignisse bringen wohl immer die schlechtesten und besten Seiten der Menschheit zum Vorschein..

Ich muss das alles jedenfalls erst mal sacken lassen.

STAY AT H O M E !!!!!!!!! 

Vera Vis.

P.S.: Bei all dem Ernst, ist es doch auch ein bisschen amüsant, dass es nun vollkommen egal ist, dass Susi nicht braun geworden ist. Uns sieht eh niemand. 🙂













Kashmir Yoga..

„Sollen wir uns hinter dem Busch hinein schleichen?“ Das war die Frage, die wir uns gestellt haben, als wir schon um acht Uhr in unser Hostel in Santa Teresa wollten, obwohl unsere Hosts uns geraten hatten, wir müssten unbedingt auf diese super tolle Party gehen. Ich habe ja bereits erwähnt, dass wir in einem wunderschönen Hostel von zwei sehr lieben Herren (wir vermuten, ein Pärchen) gelebt haben. Nachdem wir ja schon Plastikflaschen hinein geschmuggelt hatten und schließlich auf Thermoskannen umgestiegen sind, fürchteten wir uns jetzt davor uns als komplette Trantüten outen zu müssen. So ein Tag mit Surfen und Meer macht eben müde.. Trotzdem konnten unsere Herren es nicht glauben, dass wir uns die besten Parties entgehen ließen und lieber chillen wollten. Wir versuchten uns möglichst unbemerkt hinein zu schleichen. Am nächsten Morgen hat uns Mauro trotzdem belehrend darauf hingewiesen, dass er genau wisse, dass wir zwei schlafen gegangen sind. Ertappt.

Santa Teresa erwies sich in den letzten Tagen eben als eher gemütlich und ruhig. Bis auf eine Nacht, als mich Susi plötzlich geweckt hat. Sie hatte von einem Tsunami geträumt. „Hörst du, wie laut die Wellen sind?“,fragte sie. Ich hatte gerade von Kuchen geträumt, daher war meine Antwort nur: „Ich habe gerade von Kuchen geträumt.“ Das war s dann auch. Mehr war von meiner Seite nicht zu erwarten. Ich drehte mich um und schlief weiter in der Hoffnung an meinen Traum anknüpfen zu können. Susi hingegen beschloss, nichts mehr dem  Zufall zu überlassen. Sie besorgte sich noch in der selben Nacht eine Vorwarnungs- App, die uns zukünftig über bevorstehende Tsunamis und andere Naturkatastrophen vorwarnen sollte. Gestern hatten wir zum Beispiel ein Erdbeben. Wir haben es zwar nicht gespürt, aber Dank Susis toller Rescue App sind wir ab jetzt top informiert.

Am vorletzten Abend haben wir an einer Kashmir Yogastunde teilgenommen. Wir wussten nicht so recht, was das sein sollte, aber wir wollten offen sein für alles. Kashmir Yoga stellte sich als Tanzen im Dunkeln heraus. Nichtsdestotrotz fanden wir, dass wir dadurch eine tiefe Ebene der Meditation erreichen konnten. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob ich mir das nur eingebildet habe, denn danach sagte ich zu Susi: „Ich bin jetzt erhellt. Ich weiß, was ich mit meinem Leben machen will. Jetzt ist alles klar.“ Zwei Tage später war ich wieder genau so schlau wie vorher. Vielleicht sollte ich noch mal Kashmir Yoga machen..

Für den letzten Tag auf der Nicoya Halbinsel hatten wir uns viel vorgenommen! Wir sind voll bepackt schon morgens los. Wir suchten die Bushaltestelle, bei der wir warten wollten. Ein Mädchen zeigte sie uns. Es war ein großer Busch. (siehe Foto) Zumindest standen wir im Schatten. Angekommen im Nationalpark Curu waren wir erst einmal so kaputt von der Hitze, dass wir uns auf eine Bank legten und rasten mussten. Später unternahm ich dann doch noch eine kleine Wanderung, während Susi den Strand unsicher machte. Dabei konnte ich viele Affen, Waschbeeren und andere Tiere beobachten. Ein bisschen Angst bekam ich, als mich ein Nasenbär anfauchte. Ich fühlte mich wie Indiana Jones.

Geplant war, dass wir, sobald es dunkel ist, im fluoriszierenden Wasser Schnorcheln gehen und uns danach ein Fahrer so schnell wie möglich zur Fähre bringt, damit wir es noch rechtzeitig schaffen. Ich gebe zu, wir haben alles ein bisschen knapp berechnet, aber uns wurde mehrmals versichert, dass sich das ausgehen müsste. So stachen wir also voller Vorfreude im Sonnenuntergang in See um in einer kleinen Bucht darauf zu warten, dass es dunkel wird und wir dann schnorcheln gehen könnten. Susi und ich mussten wieder mal auf die Toilette. Während sie hinter einem Felsen zu Gange war, hielt ich alle davon ab, in diese Richtung zu gehen. Dann war ich an der Reihe. Susi tat ebenfalls ihr Bestes, jeden davon abzuhalten, mich zu überraschen. Was wir nicht gesehen haben, war ein Typ, der genau hinter dem Felsen hinter dem wir „gesessen“ hatten etwas geraucht hatte. Was genau, muss hier nicht erwähnt werden. Als ob es nicht schon peinlich genug wäre, dass er uns wahrscheinlich dabei beobachtet hat, wie wir „unser Geschäft“ erledigt haben, stellte sich der junge Mann mit den roten Augen und dem Baseball Cap auch noch als unser Fahrer heraus. Er versicherte uns, dass er und sein Kollege uns mit dem Motorbike zur Fähre bringen würden, räumte aber gleichzeitig ein, dass wir im Notfall auch bei ihm schlafen könnten. Bei Susi läuteten alle Alarmglocken. Wir hatten immerhin 25kg Gepäck dabei, (20kg davon gehörten mir).. „Das ist nicht so sinnvoll auf dem Motorrad und bei solchen Straßenverhältnissen“ , erklärte ich vorsichtig. Während der bekiffte (jetzt sage ich es doch) Typ mir dann im Sand die Landkarte von Costa Rica aufgezeichnet hat, die eher an einen Fischschwanz erinnerte, und mir erklärte, warum dieses Plankton leuchtet (ich habe nichts verstanden), eilte Susi zur Tourleiterin und bat sie, augenblicklich ein anderes Taxi zu organisieren, einen Fahrer mit einem richtigen Fahrzeug sozusagen. Der junge Motorradfahrer war zugegebenermaßen ein bisschen enttäuscht, aber Susi und ich waren erleichtert. Schließlich freuten wir uns dann wie Kinder, als wir endlich im Dunkeln unter einem atemberaubenden Sternenhimmel zu einer kleinen Höhle fuhren und ins schwarze Meer sprangen. Mit jeder Handbewegung verwandelte sich das Wasser in lauter kleine Glühwürmchen. Es war unglaublich. Letztendlich haben wir sogar noch pünktlich die Fähre erreicht und waren sehr zufrieden als wir in Puntarenas in unserem Hotel ankamen. Nur eine Nacht als Zwischenstop sollte es sein. Uns wurde ein leckeres Frühstück versprochen. Ein Buffet, das sich im Nachhinein als eine Schüssel Fruit Loops und sehr fragwürdiges Brot heraus stellte, aber Susi und ich nahmen es wie immer mit Humor. Wirklich seltsam war dann die Busfahrt nach Dominical. Bevor wir in den Bus einstiegen, nutzte ich die Zeit, um noch einmal schnell auf die Toilette zu springen. Was soll ich sagen, Klogang ist ein Thema hier. Susi machte den großen Fehler und legte zuerst ihr Gepäck im Bus ab. Sie wollte danach noch mal hinaus, um aufs WC zu eilen, bevor wir abfuhren. „Halt!“, hielt sie der grimmige, etwas dickliche Busfahrer auf. Er erklärte ihr, dass es im Bus eine virtuelle Linie gebe, die man nur einmal überschreiten dürfe, wenn man den Bus betritt und, wenn man ihn wieder verlässt. Wenn sie sie noch mal passieren würde, müsste er von ihr 650 Colones verlangen. „650 Colones für einmal Klogehen?“, fragte Susi entgeistert und ich konnte schon erkennen, dass ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. Der Busfahrer blieb hart und Susi musste sich widerwillig hinsetzen. Wir dachten zuerst, er mache nur Witze, aber auf halber Strecke musste ein junger Mann nach seinem Ausstieg noch mal kurz in den Bus, weil er seine Brille vergessen hatte. Der Busfahrer bäumte sich in der Mitte des Busses auf und schrie: „Ich kann es nicht glauben. Schon wieder hat jemand die Regel missachtet. Schon wieder ist jemand über die Linie gegangen!“ Wütend schnaubte er und der Bursche sah zu, dass er schnell fliehen konnte, bevor er noch die 650 Colones zahlen musste. Susi hat sich brav zurück gehalten. So dringend musste sie dann doch nicht aufs Klo.

Auf dem Weg nach Dominical mussten wir einmal umsteigen in einen anderen Bus mit einem netteren Fahrer. Wir nutzten die Pause für den Klogang (falls euch dieses spannende Thema immer noch interessiert) Als wir in den neuen Bus einstiegen, fragte uns ein Engländer, ob wir gerade vom Berg kämen. „Nein, so reisen wir“, versicherte ich dem armen Mann, der sich dieses Fehlen von jeglichem Stil nur so erklären hätte können. Zum Glück dachten nicht alle so. Im Bus haben wir nämlich wieder neue Freundschaften geschlossen. Drei französische Surfer mit denen wir seit diesem Tag unzertrennlich sind. Einer davon ist sogar Surflehrer, was sehr praktisch ist. Sie stellten sich als wahre Helden und echte Freunde heraus und sind jetzt mit uns weiter gereist nach Pavones. Dazu beim nächsten Mal mehr! Für heute lasse ich es gut sein. Schönen Sonntag, Vera Vis.

Living on the edge..

Santa Teresa. Mein Lieblingort. Wieder eine sehr abenteuerliche Zeit bis jetzt. Ein bisschen weniger davon wäre uns inzwischen tatsächlich egal.
Als wir in Santa Teresa ankamen, waren wir gleich mal so begeistert, dass wir von 5 Tagen auf 10 Tage verlängert haben. Weiße Strände, türkises Meer, super Wellen, ein richtiger Supermarkt, ein Arzt (sollten wir später auch noch brauchen) und total liebe und lustige Menschen, die wir dort getroffen haben! Susi und ich haben wieder mal ein Doppelzimmer, preislich aber voll ok und bei den allerbesten Hosts! Die beiden Herren sind sehr lieb und lustig, auch wenn ich mich schon unbeliebt gemacht habe. Wir leben hier nämlich in einem fortschrittlich umweltfreundlichen Hostel und ich musste schon einige Blicke ernten, weil ich mit Brezeln in Plastikverpackung und Wasserflaschen angekommen bin. Gestern allerdings kaufte ich mir eine Thermoskanne, die ich mir ab jetzt hier auffüllen lasse. Seitdem ist alles wieder gut. Susi ist trotzdem wie immer viel beliebter (ich glaube, sie hat ihre Plastikflaschen besser versteckt).
Wie schon erwähnt, waren wir hauptsächlich hier, um zu surfen. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass ich noch niemals wirklich surfen war. Ich hatte vor drei Jahren eine Stunde bei einem Surflehrer in Bali, der mich auf einem Brett, so groß, wie ein kleines Boot, in die Wellen geschupst hat. Ich fand das damals eher unspektakulär und langweilig. Susi und unsere Jungs (ein paar Österreicher und Deutsche, die wir teilweise schon zuvor in Bocas kennen gelernt und jetzt wieder getroffen hatten) waren eifrig beim Surfen, während ich gemütlich am Strand lag und die Sonne genoss. Ich hatte schon noch vor, ebenfalls zu surfen, aber ich wollte lieber den richtigen Moment abwarten. Der kam für mich am nächsten Tag. Susi, die schon lange Zeit Surferfahrung hat, ging zum Strand, sah die Wellen und kehrte wieder um. Ich hingegen beschloss, dies ist mein Tag, fragte gleich einen der Jungs, ob ich mir sein Brett mal ausborgen kann und schwang mich in die Wellen. Ein Surflehrer, der zufällig in meiner Nähe war, erklärte mir, dass diese Wellen nicht geeignet für Anfänger seien und dieses Brett viel zu klein wäre. Ich probierte es trotzdem. Ganze drei Mal konnte ich schon fast stehen, bis ich mir den großen Zeh prellte. Wer aber jetzt denkt, dass war es mit meiner Surfkarriere, der irrt sich. Zwei Tage später (dazwischen machte ich einen Ausflug von dem ich erzählen werde) lieh ich mir selbst endlich ein Brett aus. Größer als das von Susi, immer noch ein Viertel von dem Brett in Bali. Susi sagte, sie würde mir nun eine Surfstunde geben. Tatsächlich hat sie mir eigentlich nur am Strand kurz erklärt, wie man auf so ein Brett rauf springt und dann stürzte sie sich selbst in die Wellen. „Learning by doing“ war ihr Motto. Gesagt, getan. Obwohl die Bedingungen wieder alles andere als leicht waren, stellte ich mich tatsächlich sehr geschickt an. Ich konnte einige Wellen im Weißwasser stehen, aber dann gingen wohl die Pferde ein bisschen mit mir durch. Ich habe ja mal erwähnt, dass Susi dazu neigt, sich selbst zu überschätzen. Nun, ich denke, ich wahrscheinlich auch. Im Nachhinein erzählte Susi die Situation folgendermaßen : „Ich sah, wie du dich auf dein Brett gelegt hast, so als ob du die Welle nehmen wolltest. Hinter dir einfach dieses monströse Ding. (eine Welle, die nur richtig gute Surfer nehmen würden, nicht mal Susi selbst) Ich hüpfte, winkte, schrie: „Nicht!!! Umdrehen!!! Dreh das Brett in die andere Richtung!!! Die ist zu heftig!“ Du hast mich fröhlich angelacht und ich wusste, in kurzer Zeit würde dich das Ding zerbröseln..“ So erzählte ich Susi die Situation im Nachhinein: „Ich habe mir gedacht, das Weißwasser kann ich jetzt eh schon, versuchen wir mal was Anderes. Ich sah dich, wie du wie wild gestikuliert hast und verstand „Umdrehen“. Also drehte ich mich kurz um und vermutete, dass die Welle wohl recht groß werden würde. Wahrscheinlich müsste ich schneller paddeln, schloss ich daraus, lächelte dir zu und bereitete mich auf die Welle vor. Als sie dann da war, begriff ich, dass etwas anders war, als sonst. Ich war in der Luft. Tatsächlich mit meinem Brett einfach so richtig in der Luft. Ich hatte nicht lange Zeit darüber nachzudenken, bevor mein Brett senkrecht nach unten in die Welle einstach und ich gleich mit. Während es mich so unter Wasser durcheinander wirbelte, ich mit einer Hand versuchte, meinen Kopf vor dem Brett zu schützen, mit der anderen die Nase zu hielt, überlegte ich, ob du vielleicht jetzt gerade denkst, dass ich ertrinke. Denn so lange kam mir die Zeit da unten vor. Als ich irgendwann doch wieder Tageslicht erblickte, schwamm sofort ein Surfer auf mich zu, der das ganze von vorne beobachtet hatte. Er war ganz blass und rief völlig geschockt: „Are you OK?“ Ich machte die Daumen hoch, lächelte und erklärte entschuldigend: „It’s my first day today!“
„Living on the edge“, sagte Susi später. Sie hätte so etwas noch nie erlebt und kenne keinen Anfänger, der jemals so eine Welle genommen hätte. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich es schlichtweg nicht besser wusste. Aber wer weiß.. Vielleicht schaffe ich sie ja beim nächsten Mal?
Wie ich schon erwähnt habe, haben wir hier auch Freundschaften geschlossen, was bisweilen beim Reisen auch sehr praktisch sein kann. Susi und ich trauen uns nämlich manche Sachen nicht, wie zum Beispiel mit einem Quad zu fahren. Auf normalen Straßen vielleicht, aber hier ist das ein bisschen anders. Zum Glück habe ich einen lieben Österreicher so lange genervt bis er (trotz anderen Plänen) endlich eingewilligt hatte, mit mir eine Quadtour zu machen. Juhu! Endlich eine starke Männerbrust zum Festhalten und dann noch pure Action. Ich war froh, dass er mitgemacht hat, denn schon bei der Einführung und Erklärung zu diesem Ding verstand ich Bahnhof, lächelte unwissend und hoffte, dass mein Begleiter alles gecheckt hatte. Hatte er zum Glück auch! Der Typ beim Verleih erklärte uns die „einfachste“ Strecke nach Montezuma, was sich als eine Mischung aus Berg-und Talfahrt, Buckelpiste aus Dreck und Schlammpfützen darstellte. Er kam zugegebenermaßen einige Male ins Schwitzen, als es riskant wurde, aber ich genoss die Aussicht hinten drauf und freute mich, dass ich mich um nichts kümmern musste. Wer mich kennt, der weiß, ich liebe Action und Abenteuer.. In Montezuma angekommen, wollten wir einen Wasserfall besuchen, zu dem man aber nur über einen steinigen, abenteuerlichen Weg kommt. Ich hätte mir das lieber mal zuvor durchlesen sollen, bevor ich mit FlipFlops dort ankam. Diese waren dann natürlich nach gefühlten drei Sekunden kaputt, weswegen ich den Rest des Weges, im wahrsten Sinne über Stock und Stein, barfuß zurück legen musste. Egal, lustig war es trotzdem und jetzt habe ich eine dicke Hornhaut auf meiner Fußsohle.. Der Wasserfall war die Mühe wert. Nicht nur, dass wir auf dem Weg dorthin Äffchen gesehen haben, sondern auch das Schwimmen und von den Felsen ins Wasser springen war richtig gut. Vielleicht hätte ich Wäsche zum Wechseln mitnehmen sollen.. Noch so eine Sache, bei der man im Nachhinein klüger ist. Wie dem auch sei, der Tag war perfekt, mein Begleiter der beste Quadfahrer der Welt und ich schlief totmüde, aber überglücklich am Abend ein. Am übernächsten Tag (dazwischen war ich ja „surfen“) standen Susi und ich früh auf, um bei der Wäscherei den Termin für die Abholung unserer Wäsche zu vereinbaren und Yoga zu gehen. Na gut.. Wir wollten nach dem Yoga auch noch shoppen, aber das ist nicht nur meine Schuld. Susi ist inzwischen mega motiviert und meinte sogar: „Hätten wir doch noch mehr in Puerto Viejo eingekauft, da waren die Geschäfte besser!“ Ist das zu fassen?
Wir hatten auch unseren ersten Streit, weil sie zu einem Restaurant wollte, das gefühlte 1000 Kilometer weit entfernt war und ich nicht gesagt habe, dass sie allein dorthin marschieren kann. Stattdessen bin ich mürrisch mitgegangen, was nie ein guter Ausgangspunkt für so eine Unternehmung ist. Spätestens aber als wir total gestresst waren, weil wir unsere Wäsche noch abholen mussten, bevor die Wäscherei schließt (der Weg zum Restaurant hat einfach zu lange gedauert.. Muss ich hier noch mal erwähnen ;)) und Susi voller Motivation los rannte, um noch pünktlich dort zu sein, während ich schlapp in der Mittagshitze dahin schlenderte und noch ein bisschen Schaufenster bummelte, erinnerte ich mich wieder daran, wie dankbar ich für meine Reisepartnerin sein kann. Es war zwar alles umsonst, denn die Wäscherei hatte schon geschlossen (wegen emergency stand wieder drauf.. schon zum dritten Mal diese Woche) aber ihr Einsatz war wirklich lobenswert. So hatten wir also keine Wäsche mehr und als wir dachten, dieser Tag könnte nicht noch chaotischer werden, wurde er es doch. Susi und ich saßen in unserem Zimmer beim Abendessen, als es plötzlich laut knallte und genau vor unserem Zimmer ein Kabelbrand entfachte. Wir nahmen, die für uns wichtigsten Dinge mit und flüchteten nach draußen. Ich mein Tagebuch, Susi ihren Burrito. Was soll ich sagen? Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich klug gewesen, auch etwas Geld und den Pass einzupacken, aber im Ernstfall beschränkt man sich eben auf das Wesentliche..
Zum Glück konnte der Brand gleich gelöscht werden und wir durften bald wieder in unser Zimmer, wo Susi heldenhaft, nur mit BH bekleidet und einem großen Handtuch bewaffnet Frischluft durch ein Fenster in unser Zimmer fächerte. Ich war währenddessen die meiste Zeit auf der Toilette, denn ich habe mir eine fiese Blasenentzündung eingefangen, (vermutlich durch das Quadfahren mit nasser Hose) weswegen ich morgen dringend zum Arzt muss.. Ihr seht, ich nutze die schlaflose Nacht aber, um euch auf dem Laufenden zu halten..Alles Liebe, Vera Vis.

In love with Erwin..

Endlich! Wie ihr schon anhand des Titelbildes unschwer erkennen könnt, haben wir unser Faultier gefunden. Und nein, ich bin es nicht! Auch wenn wir große Ähnlichkeiten feststellen konnten, aber dazu später mehr.. 🙂


Zuvor an diesem Tag haben wir erst mal noch verzweifelt danach gesucht. Immer noch auf der Insel Bastimentos, in dem wunderschönen Bed&Breakfast, abgelegen von allem, entschieden wir uns dazu, ein Kajak zu nehmen und vielleicht vom Wasser aus ein Faultier zu erspähen.
Das stellte sich allerdings als gar nicht so einfach heraus, weil es nur ein Kinderkajak, ein Standuppaddle und ein Kanu (zwei Sitze) gab. Susi aber weigerte sich, sehr zu Erheiterung des Volunteers, vehement dagegen mit mir gemeinsam ein Kanu zu nehmen. Der offizielle Grund dafür war der, dass uns ein bisschen getrennte Zeit nicht schaden könnte. Ich hatte sie allerdings durchschaut.. Sie hatte einfach nur Angst, dass ich nicht rudern würde und in einem Kanu die ganze Arbeit an ihr hängen bleiben würde. Ich gebe zu, diese Sorge ist nicht ganz unbegründet. Ich fand das trotzdem sehr amüsant, weil sich Susi doch tatsächlich lieber in das Kinder – Kajak gesetzt hat, als mit mir ein Kanu zu teilen. Ich nahm das Stand Up Paddle und los gings.

Nach etwa 10 Minuten war Susi, die schon recht tief im Wasser lag mit dem kleinen Ding, doch plötzlich motiviert, aufs Kanu umzusteigen. Gesagt, getan, wir paddelten wieder zurück, wechselten zum Kanu, ich ruderte brav mit und Susi war vollends zufrieden und glücklich! Im Sonnuntergang fuhren wir durch Mangrovenhöhlen und umrundeten kleine Inseln. Wir sangen Lieder, pfiffen und versuchten so, etwaige Tiere hervorzulocken. Ich glaube, sie stehen nicht auf die Kinderlieder, die ich sonst so in meinem Repertoire habe. Susi fand auch, dass ich das lieber lassen sollte. Letztendlich haben wir wieder kein Faultier gefunden und Susi war schon ein bisschen frustriert. „Wenn es für uns bestimmt ist, werden wir auch eines sehen!“, erklärte ich weise.


Nach dem Abendessen meinte ein Volunteer, dass wir einfach nachts am Weg im Garten schauen könnten, weil diese Tierchen liebend gern die roten Blüten verspeisen würden, die den Weg säumen. Mit Taschenlampe bewaffnet und schon gar nicht mehr daran glaubend machten wir uns also erneut auf den Weg. „Hier ist keines!“, sagte ich kopfschüttelnd als Susi fast ausflippte, weil genau hinter mir ein Faultier vom Baum hang.


Erwin. So haben wir ihn getauft. Susi war sofort in ihn verliebt und ich glaube, das liegt daran, weil Erwin gewisse Ähnlichkeiten mit mir hat. Wenn er vorhat, sich zu bewegen, nimmt er sich eine angemessene Anlaufzeit, das mache ich auch ganz gerne. Seine Filzwelle erinnert ein bisschen an meinen Afro-Bob, den ich hier so langsam durch die feuchte Luft entwickelt habe und wenn man das Foto, das wir gemacht haben, auf den Kopf stellt, sieht man das verführerische Lächeln. So lächle ich auch immer.. Kein Wunder also, dass Susi ganz hin und weg war und nur immer wieder wiederholte: „He is so cute, I want him as my boyfriend!“


Am nächsten Tag, zufrieden von unser nächtlichen Begegnung mit Erwin, stiegen wir also wieder in ein Boot nach Bocas und dann weiter nach Almirante.
Von dort aus ging es dann wieder via Bus nach Puerto Viejo, über die Grenze also, von Panama nach Costa Rica. Das dachten wir zumindest, aber an der Grenze stoppte unser Bus. Wie immer scheuchten uns ein paar Panamenos schnell zum Einreiseschalter. Wir waren inzwischen daran gewöhnt, einfach zu folgen, wenn fünf dieser Männer durcheinander schrien, sobald man den Bus verließ und einen wie eine Kuhherde voran trieben.

Als wir unseren Einreisestempel erhalten hatten, ging es aber nicht zurück zum Bus. Ein anderer Mann, ich muss gestehen, ich kann nicht sagen, ob er aus Costa Rico od Panama stammte, hatte inzwischen unser Gepäck (also das von Susi und mir und zwei Amerikanerinnen mit üppigem Dekolleté auf Saufurlaub) in einen kleinen Schubkarren verfrachtet und erklärte sehr bestimmt, dass wir alles machen müssten, was er uns sagte. Wir vermuteten, es musste sich um den neuen Fahrer handeln. Jegliche Klogehversuche scheiterten, denn er bestimmte, wann wir gehen durften und wohin. Wir fanden ihn ziemlich amüsant. Sobald uns ein anderer den Weg erklären wollte, schritt er schweißgebadet ein, um uns zu erklären, dass wir nur auf ihn hören durften.

Dann ging es los. Ja wirklich.. Wir GINGEN! Susi und ich konnten es nicht glauben, wir überquerten tatsächlich die Grenze von Panama nach  Costa Rica! Zu Fuß!! Begleitet von den zwei schwankenden Amerikanerinnen und dem schweißgebadeten Typen mit dem Schubkarren und unserem Gepäck. Ich war dankbar, dass wir offensichtlich so einen engagierten Fahrer hatten, wenn ich mir so die anderen ansah, die die Rucksäcke selbst über die Grenze tragen mussten. Auf der anderen Seite angekommen allerdings, stellte er das Gepäck bei einem Bus ab, verlangte Tips (Trinkgeld) und verschwand.. Allmählich dämmerte uns, dass das wohl nicht unser Fahrer gewesen war. Ich gab ihm gern einen Dollar, dafür, dass ich nicht meinen riesen Rucksack durch die Gegend schleppen musste.

Susi hat mir einmal etwas von Indiana Jones erzählt, von dem ich wirklich so gar nichts weiß. Wenn wir Entscheidungen treffen müssen, beraten wir uns im Nachhinein daher immer, ob wir uns letztendlich „wisely“ oder „poorly“ entschieden haben. Jedenfalls fragte uns der Busfahrer, ob wir lieber die langweiligere Tour auf der Straße nehmen wollten, die eineinhalb Stunden dauerte, oder die Abkürzung durch den Dschungel, die nur 25 Minuten dauerte und bei der wir wahrscheinlich Tiere sehen würden. Susi wollte sich ein bisschen Zeit nehmen, um das kurz mit mir zu erörtern, aber ich war fest davon überzeugt, dass die Dschungelroute besser sei, wie auch der Rest der Fahrgäste. Eineinhalb Stunden später, denn der Weg dauerte tatsächlich so lange, nach ein paar äußerst holprigen Straßen, beinahe im Schlamm hängen geblieben, einer Vera Vis mit flauem Magen, ohne Tiersichtungen und als letzte noch im Bus (obwohl unser Hostel über die andere Route das erste gewesen wäre) musste ich zugeben: „I chose poorly.“


Puerto Viejo. Eine kleine Touristadt am Meer. Schön zum Baden, Yoga machen und vor allem zum Shoppen, was, wer mich kennt, mein Untergang ist. Zum Glück ging ich nicht allein unter, denn inzwischen hatte ich Susi bekehrt, sodass sie schon Sätze von sich gab, wie: „Wirklich wichtig ist jetzt, dass ich ein bauchfreies Top finde.“
Ich habe schon so manchen Konsumverweigerer in einen Shoppingrausch manövriert.
An unserem Tag in Puerto Viejo gingen wir aber auch zum Yoga. Ja richtig. Wir GINGEN wieder, denn was via Google maps wie zwanzig Minuten Gehzeit aussah, war ein ewig langer Weg in Yogahosen unter der karibischen Morgenhitze. Danach noch ein schokoladiges Frühstück in der Chocolate Factory und schließlich wertvolle Strandzeit. Ich habe ja schon erwähnt, dass die Karibik wettertechnisch ein bisschen instabil ist, weswegen ich wieder einmal Susi verspottete, die trotz dicker Wolkendecke im Schatten saß, während ich mich mutig unter den grauen Himmel wagte. Am Abend hatte ich einen fetten Sonnenbrand im Gesicht und nun war es zur Abwechslung mal Susi, die sich über mich lustig machte..


Von Puerto Viejo aus nahmen wir wieder einen Bus nach San José. Ich weiß, was ihr denkt: Für jemanden, der so unter Reiseübelkeit leidet ist diese Reise wirklich eine Herausforderung. In San José wollten wir umsteigen, um zur Nicoya Halbinsel, genau gesagt Mal Pais/ Santa Teresa zu kommen. Wie immer schrien uns ein Haufen Taxifahrer an, sobald wir ausstiegen. Da blieben sich die Ticos und die Panamenos nichts schuldig.. „Wir suchen den Bus nach Santa Teresa“, versuchte ich den Taxifahrern zu erklären. „Das ist ein ganz anderer Terminal“ erklärte Susi einer von ihnen, woraufhin alle anboten, dass sie uns zum Bus Terminal bringen würden, zu dem wir müssten. Dieser Terminal sah tatsächlich ein bisschen klein aus, wir entschieden uns trotzdem dazu, noch mal nachzufragen. „Mal schauen“, erklärte Susi dem Taxifahrer, der ihr aber versicherte, dass sie sich die Zeit sparen könnte, denn er wüsste genau, dass wir zu einem anderen Terminal müssten. Er hatte auch recht damit, was er aber verschwiegen hatte, war die Tatsache, dass dieser andere Terminal gerade mal 3 Minuten entfernt um die Ecke lag. Wahrscheinlich hätte uns der hilfsbereite Fahrer 3mal um den Block gefahren und dann 20 Dollar verlangt.

Im nächsten Terminal mussten wir 2h warten. Wir trafen Leute, die uns sagten, wie unsicher es hier sei und einen Holländer, der uns darum bat, kurz auf sein Gepäck aufzupassen, nur um dann 1h zu verschwinden. Ich verspeiste ein Würstchen im Schlafrock, was meiner Verdauung im Nachhinein nicht so gut getan hat, Susi trank insgesamt einen Kaffee, einen Tee, zwei kleine Flaschen Wasser und einen Orangensaft. Die dritte Flasche Wasser steckte im Automaten fest, was wir für ein Zeichen des Himmels hielten, nachdem sie gestresst vor der sechsstündigen Busfahrt aufs Klo eilte.

Schließlich stiegen wir in einen halb demolierten Bus ohne Beinfreiheit und Klimaanlage ein. Fremde Menschen lachten und nannten mich „cargada“ ( „beladen“) oder wunderten sich, warum ich so viele Schuhe dabei habe.. Ich entschied mich dazu, bei der nächsten Reise einen Rollkoffer mitzunehmen. Angekommen in Santa Teresa, Mal Pais haben wir unser Paradies gefunden. Nächstes Mal mehr dazu 🙂 Pura Vida, VERA VIS.

Sloths and more..

Die Tage in Bocas vergingen wie im Flug! Susi und ich haben hauptsächlich einfach nur viel und gut gegessen (keinen Reis, aber lecker Bowls), karibische Strände genossen und am Abend zu Raggae und Dancehall Rhythmen abgetanzt. Ich kann nur sagen, bei unseren Dancemoves können sich die Latinos noch was abschauen.. Wir waren top! 🙂 (und niemand hat sich dieses Mal verletzt!)

Am letzten Abend allerdings wollten Susi und ich ein bisschen chillen. Daher waren wir nicht so begeistert, als sich schließlich eine Gruppe wildgewordener Teenager in unser Hostel eingenistet hatte. Da wurde doch tatsächlich Tequila aus Bauchnabeln getrunken und auf dem Tresen getanzt. Wer mich kennt, weiß, dass ich früher selbst ganz vorne mit dabei gewesen wäre. Als es aber um drei Uhr morgens immer noch nicht still war, musste ich ein Machtwort sprechen. Kennt ihr diese Handbewegung die man beim Hip Hop immer macht, um den Beat mitzutanzen? Genau diese Handbewegung habe ich gemacht und in sehr strengem Ton darauf hingewiesen, dass es jetzt reicht. Ich muss Eindruck hinterlassen haben. Die Kids waren sofort still, man hörte kein Wort mehr und Susi hat sich über mich kaputt gelacht. So schnell wird man alt…

Dann wollten wir weiter nach Bastimentos, genauer zu einem Hostel, das auf einer kleinen Insel neben der Hauptinsel liegt. Als ich meinen Rucksack wieder aufgeladen hatte und durch den Backpackerort zum Hafen wanderte, entgingen mir nicht, die vielen Blicke der Touristen und Einheimischen. Ungläubig starrten sie auf das Mädchen, das tatsächlich bei jedem Windstoß drohte, umzukippen. Ich glaube, von all den Backpackern, die hier unterwegs sind, habe ich den größten Rucksack.

Eigentlich hätten wir schon ein Ticket für die Fähre gehabt, nachdem wir aber ein bisschen orientierungslos herum geirrt waren, sprach uns ein junger Panameno an und wollte wissen, wo wir hin möchten. Susi gab ihm Auskunft, vereinbarte die Überfahrt zur Insel und wunderte sich, dass unser Ticket offenbar doch nicht für diese Fähre galt. Ich muss gestehen, dass mir sofort klar war, dass der Typ (höchstens 14) mit Sicherheit nicht der Fährenkapitän war, aber mein Rucksack war so schwer und immerhin hatte er ein Boot, also war mir alles egal. Erst als wir in dem Klappergestell saßen und der Bootsfahrer auf offener See noch einmal fragte, wo wir hin müssten (der Preis wurde etwas teurer, denn er musste vorher noch mal tanken), drehte sich Susi zu mir: „Hmmm.. Ich glaube, das ist nicht die Fähre nach Bastimentos..“

Die Bootsfahrt war trotzdem suuuuper lustig. Wir bekamen zwar keine Schwimmwesten, dafür drohte das Boot bei jeder größeren Welle in zwei Hälften zu zerbrechen.

Susi und ich freuten uns wie kleine Kinder in einer Achterbahn und bereuten keinen Moment, dass wir auf die langweilige Fähre verzichtet hatten.
Beim Hostel angekommen, entdeckten wir, dass die Beschreibung „ruhig und abgelegen“ hier tatsächlich zutraf. Hier gab es nichts, außer einem Hostel, einer Besitzerin mit ihrer Tochter, zwei Hunden, ein paar Katzen, zwei Volunteers und zwei älteren Pärchen. Achja und einem Gärtner, aber dazu später mehr.

Die Landschaft ist hier allerdings atemberaubend. Wunderschöne Mangroven, ein Dschungel direkt hinter dem Haus, eine unbezahlbare Aussicht. Im Zimmer angekommen war Susi auch überglücklich, weil sie endlich ihr Fliegennetz montieren durfte, das sie einmal als sie in INZING wohnte, gekauft hatte (dort gab es so viele Fliegen..)
Sie drappierte alles sorgfältig um mich herum und war dann tatsächlich enttäuscht, als ich es schaffte, trotzdem aus dem Double King Size Bett zu kriechen, um auf die Toilette zu gehen.

Ich weiß, was ihr denkt.. Ja, wir haben eine romantische Pärchen Suite. Wir wollten uns mal ein bisschen Luxus gönnen. Jedenfalls erklärte sie mir lange genug, wie man dieses Netz befestigen muss, damit keine Mücken hinein kommen. Morgens wachte ich voller Stiche auf. Susi hatte vergessen, ihre Seite zu schließen. Zum Glück habe ich aber offenbar das süßere Blut von uns beiden. Sollte ich in zwei Wochen Dengue Fieber oder Malaria haben, wisst ihr, wer Schuld daran hat… 😉

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Taxiboot zum Redfrog Beach. Das Wetter in der Karibik ist sehr wechselhaft, hatte man uns schon erklärt. Trotz Wolkenmauer nahmen wir das Projekt aber in Angriff. Der Taxibootfahrer wartete bereits, als Susi, die eine panische Angst vor Sonnenbrand hat, beschloss, sie müsste sich noch schnell eincremen. Die Creme flutschte prompt aus ihrer Hand ins Wasser zu den Mangroven, ein kleiner Rochen schwomm auch noch daran vorbei.

„Nicht ohne meine Sonnencreme“ dachte sich Susi wohl kurzerhand und kletterte in das dunkle Wasser, nur um dann schreiend gleich wieder raus zu klettern. Sie war tief im dunklen Schlamm versunken und hatte sich seltsamerweise auch noch einige Schnitte zugezogen. Das kanadische Pärchen konnte gar nicht fassen, wie schnell sich diese Österreicherin immer verletzen musste. Schließlich ließen wir die Creme doch zurück. (Der Kanadier hat sie mit einem Ruder später heraus gefischt-also keine Umweltverschmutzung)

Der Redfrog Beach war super schön und trotz der stürmischen Wellen hatten wir riesen Spaß im Wasser. Dann schien sogar ganz plötzlich kräftig die Sonne, woraufhin Susi schnell das Weite suchte und sich im Schatten erst mal mit der Ersatzsonnencreme ordentlich eincremte. „Die stärkste Sonneneinstrahlung ist bis 15.00 Uhr! So lange bleibe ich im Schatten! Danach komme ich!“

Um 14.55 Uhr setzte wieder starker Regen ein und Susi und ich flüchteten uns in ein Rettungsschwimmer Häuschen. Wenn wir zurück kommen, werde ich braun gebrannt sein und alle werden mich fragen, wie es so war in Panama und Costa Rica. Und dann werden sie fragen, wo Susi hingereist ist.. Sie sieht immer noch aus, wie eine Käseplatte.

So verging unser zweiter Tag auf Bastimentos recht gemischt. Einerseits waren wir sehr glücklich und verliebt in die Wellen, andererseits von Mücken zerstochen und voller Schnittwunden.
Heute Morgen sollten wir dann eine aufregende Dschungeltour mit dem Gärtner machen, bei der wir eventuell sogar Faultiere sehen könnten. Leider regnete es wieder. Das sollte uns nicht daran hindern. William der Gärtner kam. Stiefel an, Hut auf, eine Machete in der Hand. 45 Minuten führte er uns und das kanadische Pärchen durch den Dschungel. „sloth“ sagte er plötzlich, hielt an und zeigte uns ein Faultier, das sich leider hinter Blättern versteckte.

Wir konnten durch den Schatten trotzdem erahnen, wie es aussehen könnte. Ein paar Meter weiter hielt er erneut an: „Racoon“ erklärte er und deutete auf einen dunklen Fleck im Baum, etwa in 60 Meter Entfernung. Mit dem Fernglas konnte ich tatsächlich einen schlafenden Waschbären erkennen. Auch die kleinen Redfrogs entgingen seinem scharfen Blick nicht (die sind so groß wie mein Fingernagel). Zum Glück hatte er auch seine Machete dabei, so konnte er bestimmt zwei Farnhalme und eine gefährlich aussehende Blume köpfen, um uns den Weg frei zu machen. Generell gesehen war William ein eher stiller Geselle, aber zwei mal musste er doch lautstark lachen.

Ich weiß nicht, ob ich erwähnt habe, dass Susi einmal zu mir gesagt hat: „Dort, wo andere mit ihren Händen klettern müssen, da spaziere ich locker durch“. Das war, als ich sie darauf hingewiesen habe, dass Kletterwanderungen mit ihrem Gips vielleicht weniger sinnvoll sind.. Heute bewies sie ihr Geschick.

Wir gingen mit William über eine kleine Holzbrücke. Es knarrte ganz laut und als ich mich umdrehte, lag Susi halb im Wasser des Sumpfes. Sie war mit beiden Beinen ausgerutscht. William lachte. „Ich kann überall sicher gehen, nur nicht, wenn es rutschig ist“, verteidigte sie sich. (Genau wie gestern, als sie ein Tischtennis Match verlor, weil sie gerade eine Kokosnuss gegessen hatte.. Aber das wäre eine andere Geschichte)

Das zweite Mal lachte William, als er einem Ast auswich, der mir dafür dann direkt ins Gesicht klatschte.

Wir hoffen, wir verletzen uns nicht noch mehr.. Morgen geht es wieder weiter nach Costa Rica. Alles Liebe, Vera Vis.








A very blessed journey..

Nach unserer aufregenden Wanderung war es nun an der Zeit, weiter zu ziehen.. Es hätte auch einen direkten Shuttlebus gegeben, der aber mehr gekostet hätte und Susi und ich entschieden uns dazu, Geld zu sparen und wie die Einheimischen zu reisen. Später bereuten wir diese Entscheidung ein bisschen..

Unsere erste Fahrt führte uns nach David. Dieser Weg dauerte in etwa eineinhalb Stunden, die Sonne schien, ich hatte meine Reiseübelkeit ganz ohne Tabletten (ich wollte diese mal vermeiden, weil ich davon ja immer so benommen werde) einigermaßen im Griff und als wir in David ankamen, stellten Susi, ich und René (den wir im Hostel kennen gelernt hatten) fest, dass wir ganz easy mit den Öffis fahren können und die Touristen Shuttle vollkommen überwertet werden.. Voller Motivation stiegen wir in den nächsten Bus ein, der uns in fünf Stunden nach Almirante bringen sollte.

Schnell verging meine Zuversicht. Der Bus war absolut und bis oben hin bummvoll. Man darf sich unter Bussen in Panama keine richtigen Busse vorstellen, die sind ungefähr so groß, wie ein Kleinbus für höchstens 20 Leute. In diesem Bus waren wahrscheinlich so ca 40 Leute. Ich wurde irgendwo in die Mitte hineingequetscht. Meine rechte Pobacke hatte gar keinen Sitzplatz, links von mir war eine dickliche Dame, Susi saß weiter vorne. Ich wusste, was sie dachte, als sie zu mir nach hinten blickte.. „Oh Gott, wird Bernadettes Magen diese Reise überstehen?“ Ich nahm mir allerdings vor, die widrigen Umstände zu akzeptieren, nicht zimperlich zu sein und Susi immer ein Lächeln zu schenken, wenn sie zu mir nach hinten blickt. Man sollte seine Laune ja nicht am Reisepartner auslassen.
Hinter mir, teilweise auch über mir, tummelten sich lauter heftig hustende Kinder, die trotzdem freudig auf den Sitzen herum kletterten und nicht davor zurück schrecken, direkt in meine Ohren zu husten, weswegen ich sofort meine Kopfhörer aufsetzte. Hoffentlich gibt’s hier kein Corona..

Bevor wir aber die Reise endgültig antreten konnten, stieg noch ein Priester zu, der lautstark predigte und den Herrn im Himmel pries. Er segnete unseren Bus und sammelte Spenden. Ich war zu geizig, weil er mir zu viel geschrien hatte, Susi spendete einen Dollar. Vielleicht hat uns das später gerettet, wer weiß?

Eigentlich hätte der Bus zwei Stunden gebraucht, wir benötigten schon zwei Stunden für die ersten paar Kilometer, weil wir an ca 5 Baustellen jeweils 20 Minuten gewartet haben. Trotz der vielen Warterei gelang es Susi nicht, den Busfahrer davon zu überzeugen, dass sie schnell auf die Toilette müsste (Kaffee u Tee zum Frühstück ist vor Busfahrten keine gute Idee) Dann ging es die Bergstraße nach oben.
Jetzt wurde es richtig heiß in dem kleinen Bus, das Wasser tropfte schon von der Decke. Einer der hustenden Jungen hinter mir fand mich, meine Kopfhörer und überhaupt meine ganze Kleidung sehr interessant u hatte keine Scheu vor körperlicher Nähe.

Immer noch lächelte ich und erinnerte mich daran, dass Reisen nicht immer ganz so bequem ist.
Inzwischen wurde es richtig neblig, die Straßen immer schlechter u Susi immer verzweifelter. „Wenn ich jetzt nicht auf die Toilette darf, dann mach ich in die Hose“ schrie sie verzweifelt nach hinten zu mir durch den Bus. Die deutschen Mädels in der letzten Reihe schmunzelten. „Genau das sagst du dem jetzt sofort!“, forderte ich eindringlich! Endlich hörte sie mal auf mich, diese sture Nuss! Sie wollte einfach niemandem zur Last fallen, und ich befürchtete schon, sie würde sich lieber anpinkeln, als den Busfahrer noch mal zu behelligen.
Zum Glück ließ sie es dieses Mal nicht so weit kommen. Als der Busfahrer die Dringlichkeit endlich begriffen hatte, hielt er an und Susi sprang raus. Rettung in allerletzte Sekunde würde ich mal sagen. Der ganze Bus nahm daran teil und jeder weitere Klogang ihrerseits wurde fortan und während der ganzen Fahrt genau registriert, dokumentiert und kommentiert.

Aber der schlimmste Teil kommt erst noch und hier wird es doch auch mal ein bisschen ernst. Unser Busfahrer war offensichtlich lebensmüde, trotz einsetzendem Regen, einem Fahrzeug (das bei uns keinen TÜV mehr überstehen würde) voller Menschen, darunter auch Kinder u einer Nebelwand, bei der man wirklich gar nichts mehr sehen konnte, entschied er sich auf dieser Bergstraße richtig Gas zu geben und jedes Fahrzeug zu überholen, das ihm im Weg stand. Ich begann damit, ein Vater unser nach dem anderen runter zu beten und bereute tatsächlich kurz, dass ich heute nichts gespendet hatte.
Gedanklich bereitete ich mich darauf vor, die Kinder hinter mir irgendwie zu retten, sollten wir den Berg hinab stürzen. Das mag jetzt ganz amüsant klingen, aber ich hatte in meinem Leben noch niemals so große Angst. Nicht zu Unrecht, wie sich dann leider herausstellte.

Ich hatte gerade die Augen geschlossen als ich durch die Musik meiner Kopfhörer hindurch plötzlich lautes Schreien wahrnahm, just in jenem Moment als ich die Augen öffnete, raste ein LKW auf und zu, rechts war ein Geländewagen. Wir hatten keinen Platz zum Ausweichen. Das Folgende spielte sich wie in Zeitlupe ab und ich werde diesen Moment nie vergessen. Ich sah den LKW direkt auf uns zukommen, der Fahrer riss seinen Wagen herum, der Geländewagen neben uns musste ebenfalls seinen Wagen herumreißen, ich vermute, er hat unglaublich schnell beschleunigt. Es kam zu einer Kollision, der ganze Bus wackelte, es knallte laut.
Der LKW Fahrer hatte uns links vorne an der Fahrerseite erwischt, fuhr dann aber einfach weiter. Unser Bus stand sofort still. Die Menschen schrien und die dicke Dame neben mir begann fast zu weinen, sie machte drei Kreuzzeichen. Wir alle durften den Bus sofort verlassen und stellten uns an den Straßenrand, wo wir erst mal alle irgendwie recht erleichtert auflachten. Die Seite des Busses war zwar beschädigt, wir konnten trotzdem noch fahren.

Der Busfahrer telefonierte aufgeregt, Susi und ich gingen wieder pinkeln und bis zum Abend realisierten wir nicht, wie knapp wir hier einem richtigen Autounfall entgangen waren. Alle Insassen des Busses verband dieses Erlebnis aber. Danach beschwerte ich mich über nichts mehr, der zutrauliche Junge saß wieder an seinem Platz, der Fahrer fuhr ganz vorsichtig, überholte niemanden und hielt schließlich sogar an, um ein Faultier von der Straße zu retten. (Endlich haben wir eines gesehen)

Die Lust aufs Busfahrten war uns vergangen, wir mussten trotzdem noch zweieinhalb Stunden weiter fahren, dann noch mit einem Taxi zum Hafen und schließlich mit dem Boot zur Insel Bocas.

Nach dem ganzen Schock und der beschwerlichen Fahrt freuten wir uns unglaublich auf das Hostel. Wir träumten von einer warmen Dusche, einem gemütlichen Bett und vielleicht auch ein paar netten Zimmergenossen 😉


Was wir vorfanden war ein Kellerschlafsaal ohne Fenster mit einem älteren Herren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem übelsten Gestank nach Schimmel, Schweiß und sonstigen, undefinierbaren Gerüchen. Susi und ich waren kurz vorm Verzweifeln.
Wir gingen alle Optionen durch, fragten sogar in anderen Hotels nach. Wir waren bereit, horrende Summen drauf zu zahlen, nur um nicht in diesem Zimmer übernachten zu müssen.
Schließlich wagten wir noch einen letzten Versuch bei der übel gelaunten Rezeptionistin. „If you have a better room for us, God may bless you!“, sagte ich in meiner Verzweiflung. Susi blickte mich skeptisch an und konnte gar nicht glauben, was da aus meinem Munde kam. Sofort erhellte sich die Stimmung der Dame, sie gab uns nicht nur irgendein Zimmer, sondern das größte des ganzen Hostels um einen sehr geringen Aufpreis. Man kann glauben, was man will, aber gestern war ein gesegneter Tag!

Endlich in diesem Zimmer angekommen, könnt ihr euch nicht vorstellen, wie Susi und ich uns gefreut haben. Wir tanzten, schrien herum, umarmten uns, konnten unser Glück kaum fassen. Man musste denken, wir seien vollkommen verrückt geworden. Dem war nicht so! Wir waren einfach nur sehr sehr glücklich. Ein Raum, der nicht stinkt und Fenster hat, eine Seife, frische Betten.. Wir lebten noch (die wichtigste Erkenntnis des Tages).. Wir waren die Königinnen auf Erden.

Reisen ist so viel mehr als nur neue Kulturen kennen lernen und ich bin so froh, dass ich die beste Reisepartnerin an meiner Seite habe 😉

Alles Liebe, Vera Vis









Viel Gebrüll um nichts..

Da wären wir wieder. Susi mit Gips, ich mit viel Gepäck. In Santa Catalina war sie der Hit. Das ganze Hostel hatte Mitleid mit der kleinen, hübschen, blonden Österreicherin. Während sie liebevoll Susann gerufen wurde, nannte man mich nur „cangreja“, was übersetzt „Krabbe“ bedeutet. Diesen Namen gab mir der Koch, weil ich eben immer noch so einen rieeesen Rucksack mitschleppe unter dem ich immer verschwinde, wie eine Krabbe in ihrem Krabbenhaus.

Auf der Busfahrt nach Boquete hatten wir daher auch ein bisschen Angst, dass der Bus unter dem Gewicht meines Gepäcks zusammen bricht. Zum Glück haben wir es trotzdem geschafft. In Boquete angekommen haben wir sofort eine aufregende Dschungeltour mit Guide gebucht. Quetzal trail.. Hier muss ich kurz erwähnen, dass Susi und ich davon ausgingen, dass Quetzal „Faultier“ bedeutet. Dem war nicht so.. Aber dazu später mehr.

Am Morgen standen wir früh auf, weil wir dachten, es gäbe Pancakes zum Frühstück. Es war auch alles da, was man für Pancakes braucht, nur kein Koch. Kein Problem für uns.. Ich war noch nicht ganz ausgeschlafen, deshalb sah mein Pancake ein bisschen verkümmert und traurig löchrig aus, was dazu führte, dass Susis Ehrgeiz wieder mal zum Vorschein kam. Wie ihr vielleicht schon festgestellt habt, neigt sie manchmal dazu, sich selbst zu überschätzen. Ihr pancake sollte kein so kümmerliches Häufchen Elend werden, wie der meine. Einhändig schwang sie den Löffel und schüttete so viel Teig in die Pfanne, dass schließlich gar nichts mehr ging. So saß ich zufrieden bei meinem Mini Pancake, während Susi in einem riesen Haufen Teig herum stocherte..Tja, liebe Susi, Hochmut kommt vor dem Fall.




Dann war es endlich so weit! Wir wurden auf eine abenteuerliche Reise abgeholt. Unser Tour guide war blutjung , zwei ältere Damen haben uns begleitet und schließlich standen wir im Dschungel, auf der Suche nach quetzales.. Eine Vogelart, wie wir nun feststellen konnten. So wanderten wir als fünf Stunden durch den Dschungel auf der Suche nach… Vögeln.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich für meinen Teil finde Vögel nur so mäßig interessant, im Gegensatz zu dem super informierten und total motivierten Tourguide und den beiden Damen, die schon eeewig auf der Suche nach diesen Vögeln waren. Selbst Susi war anfangs noch äußerst ehrgeizig damit beschäftigt, herum fliegende Kolibris mit ihrer Kamera einzufangen. Nach den ersten vier Stunden ließ aber sogar ihre Begeisterung ein bisschen nach. Auf dem Weg begegneten uns lauter „Birdnerds“ wie wir auf ihren T-shirts lesen konnten.

Irgendwann behielt ich es für mich, wenn ich glaubte, wieder einen dieser Vögel gesichtet zu haben.. Zu groß war meine Angst, dass wir wieder eine halbe Stunde lang stehen bleiben würden, um ihn zu beobachten.

An einer Stelle sagte der Guide dann: „Here are maybe manny quetzales. Be very quiet and look up to the trees!“ Das habe ich natürlich dann auch befolgt, weswegen ich prompt eine kleine Stufe am Weg übersehen habe und sehr gekonnt (Susi ging hinter mir und würde es wahrscheinlich anders nennen) eine Umdrehung um die eigene Achse gemacht habe und im Gebüsch gelandet bin. Susi hat sich so dermaßen kaputt gelacht (sie lacht jetzt immer noch), dass der guide uns ganz oft darauf hinweisen musste, dass nun alle Vögel weg fliegen würden bei dem Lärm.

Wer jetzt nach dieser Schilderung denkt, diese aufregende Wanderung war schon zu Ende, der täuscht sich. Es ging weiter und weiter und weiter, immer wieder inne haltend, ob wir nicht doch noch einen dieser quetzales sehen würden. Susi hat mich schon damit erpresst, sie würde wieder behaupten, sie hätte ihn gesehen, den quetzales, wenn wir nicht dorthin Abendessen gingen, wohin sie wollte.

Sehnsüchtig starrte ich in die Tiefen des Dschungels und wünschte mir einen Tiger oder einen Affen herbei. Prompt hörten wir ein tiefes, lautes Brüllen.. Jetzt war sogar der Guide erschrocken. Ein Tiger! Es war bekannt, dass sich einer in diesem Gebiet aufhielt, Kameras, die dort aufgestellt waren, hatten ihn schon fotografiert, aber in all den Jahren hatte er ihn noch nie gehört. Er war richtig nah.




Während Susi kurzzeitig das Lachen verging und ihr Gesicht kreidebleich wurde und der Guide uns darauf hinwies nun erst recht ganz leise und zügig weiterzugehen, freute ich mich, dass die Dschungelwanderung doch nicht völlig umsonst gewesen war. Ich dachte nur: Im schlimmsten Fall würde mich ein Tiger auffressen.. Es gibt schlechtere Arten zu sterben.. Außerdem wäre ich dann endlich von dieser Wanderung erlöst.

Schließlich und endlich kamen wir doch irgendwann wieder in die Zivilisation. Ich habe dem guide dann doch noch erzählt, dass ich mir den Tiger herbei gewünscht habe, weswegen er mich jetzt für eine Art Tierflüsterin hält. Er sagte, er würde noch lange an diesen Tag zurück denken. Ich auch.

Jetzt geht es erst mal weiter zu den Inseln.. Vielleicht sehen wir ja dort endlich mal Faultiere. Reis haben wir immer noch nicht gefunden..
Bis bald, eure Vera.

Susuria Rum

Hallo ihr Lieben.. Hier mal ein kurzes Update.
Ich habe ja eigentlich ein paar stories versprochen, aber iwie komm ich mir komisch vor, in eine Kamera zu sprechen, also hier vielleicht einfach doch mal ganz old school EIN PAAR geschriebene Worte.

Meine Freundin Susi und ich haben es gewagt.. Eine aufregende Reise nach Panama und Costa Rica.. Anscheinend beides Länder wo Reis und Bohnen die Speisekarten beherrschen.. Zumindest wurde uns das vorher gesagt.

Aber unser Abenteuer begann schon früher. Nämlich am Flughafen in München, wo ich sogleich feststellen konnte, dass ich Gepäck für ein halbes Jahr mitgenommen habe, während Susi mit einem kleinen Rucksäckchen aufgetaucht ist. „Echt? Du hast Nagellack dabei?“, fragte sie vollkommen entsetzt, als ob ich die Backpacker Regel Nr 1 gebrochen hätte.. Was soll ich sagen? Für mich kann Nagellack manchmal den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Tag machen!

Aber natürlich hatte sie recht, ich hatte ungefähr zwei Taschen zu viel dabei (ein Rucksack hätte gereicht).. Als wir einchecken wollten, haben sie uns gleich raus gespickt, (Susi meint immer noch wegen meines Gepäcks, aber bestimmt nicht!) Wir sind über die U. S. A. geflogen.. Oh mein Gott! Obwohl wir dort einfach nur umsteigen wollten, wurden wir schon beim Check in in München getrennt von einander befragt.. Ob wir terroristische Anschläge geplant hätten oder zuletzt mal in China waren.. Zum Glück haben sie nicht nach meinem Liebesleben gefragt, da wäre ich echt ins Schwitzen gekommen…

Endlich im Flugzeug angekommen ergriff Susi meine Hand. Ich wusste, dass sie Flugangst hat u hatte mir fest vorgenommen, mit ihr die ganzen 16 Stunden ohne Medikamente durchzustehen. Im Nachhinein betrachtet würde ich sagen, dass Tabletten keine so schlechte Option sind… Naja. Wir haben ja noch einen Rückflug zu meistern.

In New York beim Umsteigen wurden wir dann wieder befragt.. Susi durfte meistens durchgehen, bei mir gab es Sprengstoff Tests und extra Gepäckkontrollen.. Allmählich nervten mich meine drei schweren Taschen. Vielleicht bin ich doch nicht so ein Pack-Genie, wie ich geglaubt hatte.. Zum Glück haben wir eine liebe Deutsche am Flughafen kennen gelernt, die jetzt drei Monate in Panama City lebt. Sie hatte sofort Mitleid mit mir und so durfte ich die Hälfte meines Gepäcks dort punkern bis ich wieder heim fliege.. Ja, ich weiß, man könnte meinen, ich lerne daraus. Aber ich muss gestehen, dass mir das bei früheren Reisen auch schon passiert ist.. Da gäbe es ein paar lustige Anekdoten.

Wie dem auch sei. In Panama City angekommen, haben wir ein super schönes Zimmer bezogen, in dem ein super netter Mitbewohner war, der mir sogleich seine ganze Lebensgeschichte erzählte und mich über Preise von Kokain und Prostituierten informiert hat.

Keine Sorge, ich habe bestimmt zwei Stunden dafür geopfert um ihm zu erklären, dass sein Leben gerade in völlig falschen Bahnen verläuft, während Susi meine Nüsse gegessen und Musik gehört hat. Vielleicht hat die Therapie ja etwas gebracht, wer weiß. Vera is on a mission! 😉

Nach einer super lustigen Zeit in Panama City ging es weiter nach Santa Catalina. Wir lieben die Panamenos.. Sie stressen uns ständig durch die Straßen, scheuchen uns zum nächsten Bus, nur damit wir dann eineinhalb Stunden dort warten können…

Santa Catalina war in den ersten Tagen nicht so ganz glücklich für uns..
Gleich am ersten Abend bekam ich eine fiese Magen/Darm Geschichte..

Susi konnte offenbar nicht umhin jedem davon zu erzählen. Als ich kurz mal raus spazieren ging und einen Mann aus unserem Hostel gefragt habe, ob er Susi gesehen habe, sagte er: „Da im Shop ist die kleine Blonde, deren Mitbewohnerin die ganze Nacht gekotzt hat.“

Viel besser aber war noch, dass Susi (während ich den Tag im Bett verbrachte, um mich zu erholen) surfen war. Irgendwann abends meinte sie dann so nebenbei.. „Hmmm.. Ich glaube iwie, ich habe mir heute beim Surfen den Finger gebrochen.“ Nachdem ich also meine Magen/Darm Geschichte überstanden hatte, hat sich Susi bei ihrer ersten halben Stunde auf dem Surfbrett den Finger gebrochen. Den Mittelfinger.

Genau wie ich letzten Sommer!  Dreamteam.. sag ich nur! Obwohl der Kellner beim Abendessen gemeint hatte, ein paar Antibiotika würden reichen (hmmmm) beschlossen wir, doch lieber mal ins Krankenhaus zum Röntgen zu fahren..

Heute konnten wir daher das nicht so touristische Panama besser kennen lernen.. Wir sind in eine Klinik nach Sona gefahren (etwa eineinhalb Stunden von hier). Die Leute waren alle super nett u fanden uns iwie sehr amüsant. Wir sie aber auch. Die Panamenos sind ein lustiges Völkchen. Im Wartezimmer putzt sich eine Frau mit Zahnseide die Zähne, alle Uhren gehen falsch und Susi (obwohl sie an drei verschiedenen Schaltern in perfektem Spanisch erklärt hat, dass sie Susanne K. heißt) wurde einfach in Susuria Rum umbenannt. (Rum weil sie dachten, der Geburtsort wäre ihr Nachname)

Am Ende hat ein freundlicher Arzt aber erklärt, dass das anscheinend schon mal passiert ist: bei einer Frau namens Ann Kuala Lumpur..

Jedenfalls war das sehr amüsant für mich. Nicht nur, weil ich komplett weg gedröhnt von den Tabletten gegen Reiseübelkeit war (die Busfahrten fordern mich ziemlich), sondern auch, weil ich immer, wenn wieder jemand aufgerufen wurde und niemand geantwortet hat, Susi gefragt habe: „Könntest du gemeint sein?“

Wie dem auch sei. Sie hat nun eine Gipsschiene. Erst mal nix mit surfen. Yoga will sie trotzdem morgen probieren. Ich weiß.. Diese Susuria ist schon verrückt!

Trotzdem sind wir am Abend noch mit den Rädern zum Strand gefahren.

Es ist wunderschön hier. Wir sind Heldinnen im Chaos und kämpfen sogar mit Kakerlaken.. Uns wurde hier sehr viel Reis versprochen.. Bis jetzt haben wir aber hauptsächlich Pizza, Pommes und Co gefunden.. Wir geben die Suche noch nicht auf und halten euch eventuell auf dem Laufenden! Wünscht uns Glück!

Alles Liebe, eure Vera.