Vera Vis

Kürzlich habe ich ein paar sehr lustige, sehr betrunkene und sehr liebenswerte Menschen getroffen und das Thema kam auf meinen Blog. Ich sollte doch wieder einmal etwas schreiben. Und da fiel mir auf, dass ich meinen Blog im Moment stark verweigere. Nicht weil ich aufgehört habe, das Schreiben zu lieben. Vor allem, weil ich ein bisschen Angst vor meinen eigenen Worten habe. Denn wenn ich mich tatsächlich hinsetze und meine Gedanken aufschreibe, ist es manchmal so, als würde ich eine Scheibe von mir abschneiden. Gar nicht so sehr hier in diesem Blog.

Hier kratze ich noch immer stark an der Oberfläche, präsentiere leicht Verdauliches mit ein bisschen Humor und hier und da einem Spritzer Tiefgang. Wenn ich meine Geschichten schreibe, kann es ganz schön düster werden. Aber sogar hier versuche ich noch, alles so handzahm wie möglich zu präsentieren und an jenen Stellen, an denen mir diese Versuche entgleiten, merke ich, wie sehr ich andere damit berühren oder verstören kann. Je nachdem.

Fakt ist: All das ist in meinem Kopf. Ein Jahr ist nun um. Ich bin keine große Schriftstellerin geworden. Ich bin noch kein Insta Star (fast). Trotzdem bin ich tief drin sehr glücklich, auch wenn vielleicht diese ersten Zeilen gar nicht danach klingen mögen. Das liegt nicht daran, dass ich gerade ein bisschen weniger allein als sonst bin, denn glaubt mir, wenn man mal nicht mehr so allein ist, merkt man, dass Zusammensein noch viel schwieriger ist. Es liegt vor allem daran, dass ich immer noch dabei bin, herauszufinden, wer ich bin. Und damit meine ich nicht, die Person, die hinter diesem Blog steht. Ich mache kein Geheimnis daraus. Jeder weiß, wie ich heiße, was ich beruflich mache, wo ich studiere, wie ich aussehe etc.

Aber wer verdammt noch mal ist Vera Vis? Ich habe sie kreiert, vielleicht war sie aber auch schon immer da. Vera ist jene Frau, die es mir erlaubt, Dinge anzusprechen und aufzuschreiben, die ich mich sonst vielleicht nicht trauen würde. Sie ist immer auf der Suche und kommt niemals an. Vera ist Solotänzerin. Egal, was in ihrem Leben passiert und wem sie begegnet, sie wird immer irgendwie allein sein. Am Ende des Tages legt sich sich alleine zu Bett und wacht alleine wieder auf. Sie möchte es so. Vera will schreiben. Unendlich viel schreiben. Und manchmal geht das nicht über ein bisschen Sarkasmus und Wortwitz hinaus. Manchmal schafft sie es vielleicht, auch anderen Menschen, ein Stückchen Haut oder vielleicht sogar Fleisch herauszuschneiden, bevor sie sich wieder zurück zieht und still in einer Ecke verweilt. Beobachtend oder wartend. Bis sie irgendwann wieder den Mund aufmacht. Manchmal lauter, manchmal leiser. 

Fazit: Ich schreibe immer noch. Im Moment versuche ich, die Balance zu halten zwischen Professionalität, meine Schreiberei ernst zu nehmen, tatsächlich einen Verlag zu finden, Menschen daran teilhaben zu lassen und mein Innenleben spontan auf einem Blatt Papier auszubreiten, als würde ich mich nach außen stülpen und meine Gedärme auf einem Silbertablett präsentieren. „Your body is a temple“ heißt es. Mein Körper kommt mir oft vor wie die Hülle eines Schlachthofes. Es ist nur eine dünne Schicht Haut, die mein ganzes groteskes und abwegiges Inneres von der Gesellschaft da draußen abtrennt. 

Hard facts: Ich studiere weiter, arbeite wieder ein paar Stunden in einer Schule, versuche mich in neuen Dingen. Ich lerne Spanisch, schnuppere in neue Berufe hinein. Aber all das sind nur Lebensabschnitte. Kleine Puzzleteile, die sich irgendwann zu einem großen Lebensbild zusammensetzen werden. Am Ende des Tages. Wenn dann das letzte Stück hinzugefügt sein wird und mein Mund zu bleibt. Bis dahin stehe ich niemals still, auch wenn ich es mir manchmal gerne wünsche, weil ich meine nächsten Schritte nicht weiß und keine Ahnung vom Leben habe. Aber man wacht nun mal trotzdem jeden Morgen auf, öffnet seine Augen, atmet ein und atmet aus und balanciert so durchs Leben, in der Hoffnung, am Ende auf etwas Gutes zurück blicken zu können. Oder zumindest auf etwas Buntes? Man kann nur immer versuchen, sein Bestes zu geben. Manchmal gelingt das besser, manchmal weniger, manchmal gar nicht. Aber das ist dann auch ok.



Ich bin glücklich, weil ich in all dem Chaos die Heldin bleibe. 

Vera ist allein. Wird sie immer sein, aber das ist ok so.

Ich habe heute von Vera in der dritten Person gesprochen.

Ich liebe sie. 

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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