#ichauch

So ist es. Ein Foto meiner Brüste. Und ich habe dieses Bild heute ganz bewusst gewählt, weil es für mich tatsächlich sehr gut zu dem Beitrag passt, der gestern in den fünfzehn Minuten live bei Joko und Klaas gezeigt wurde. Ja, ich zeige hier Brust, gut gepuscht und ins rechte Licht gerückt, wohlgemerkt. Eigentlich kommt es auf die Halskette an, aber wir sind ja nicht dumm und verstehen, dass die Menschen zuerst mal durch Haut und Körper angelockt werden sollen. Im besten Fall gefällt jemandem auch das handgemachte Schmuckstück und er folgt daraufhin meinem Freund, der diese kleinen Acessoires selbst herstellt. (@cosos_surf)


Aber darum geht es in meinem Blog Eintrag heute gar nicht. Tatsache ist, dass ich zuerst eine Weile lang überlegt habe, ob ich genau dieses Foto auswählen soll, denn es reduziert mich ja ziemlich. Man sieht nicht mal mein Gesicht, wobei ich tatsächlich ein bisschen froh darüber bin, bei all den Spinnern auf facebook und instagram. Es ist ja sonst nicht so meine Art, mich optisch zu präsentieren und ich möchte gleich klar stellen: Das liegt an MIR, nicht etwa daran, dass ich das verurteile oder schlecht finde. Ich denke, jeder Mensch darf so viel von sich zeigen, wie er/sie möchte. Mit den Konsequenzen rechne ich. Dass jemand vielleicht sexuelle Gedanken dabei hat, sich eine Meinung bildet, mich innerlich kritisiert, etc. Mit einigen Konsequenzen rechne ich allerdings nicht: Herablassende, sexuelle Kommentare, Bilder von Penissen, Beschimpfungen, etc. In meinem Fall ist das größtenteils ausgeblieben. Ich riskiere ja auch nicht sehr viel mit meinen Einträgen hier und bei 100 Followern.


Andere, die sich vielleicht sexy präsentieren, stehen da schon ganz anders im Fokus. Und dabei möchte ich hier gar nicht nur die Männerwelt verurteilen (dazu komme ich dann später wahrscheinlich doch noch kurz ein bisschen), sondern ganz im Allgemeinen Menschen. Wir Frauen sind oft die größten Kritikerinnen von anderen Frauen und ich selbst kann mich da an der eigenen Nase fassen. Da nimmt man plötzlich eine Frau nicht mehr ernst, weil sie sich ihre Brüste machen hat lassen, eine Yogalehrerin ist keine richtige Yogalehrerin, weil sie auch sexy Fotos macht, eine Politikerin ist nicht gut, weil sie zu viel auf ihr Äußeres achtet oder gerade umgekehrt, weil sie zu wenig darauf Acht gibt. Es funktioniert in alle Richtungen und ich glaube tatsächlich, dass das ein massives Problem unserer Gesellschaft ist. Ich bin Teil davon.


Als ich in Lateinamerika war, habe ich beobachtet, dass die Frauen trotz Cellulitis Schenkeln, die kürzesten Röcke getragen haben. Ihr üppigen Dekoltées wurden offen präsentiert. Sie haben getanzt, gelacht, manchmal war es sogar für meine europäischen Augen gewöhnungsbedürftig, wie freizügig sich die Frauen zeigten. Mit der Zeit habe ich dann umgedacht. Es war heiß, es war schön und ich hatte auch Lust mit Minirock und bauchfrei das Haus zu verlassen. Dann tat ich es einfach. Ich habe mich nicht mehr um meine Schenkel gekümmert, ich habe getanzt, gelacht und mich frei gefühlt. Eigentlich wollte ich das unbedingt hier zuhause auch machen, aber sobald ich wieder europäische Luft geschnuppert habe, fühlte ich mich sofort kritisiert, beäugt, verurteilt. Vielleicht nur in meinem Kopf, aber da ich auf beiden Seiten zuhause bin, glaube ich auch, tatsächlich, dass wir uns gegenseitig immer wieder automatisch beurteilen und verurteilen. Es ist ein Balanceakt, anderen Menschen zu gefallen. Nicht nur Männern, auch Frauen.


Und nun komme ich zum eigentlichen Thema. Gewalt an Frauen. Gleich vorweg muss ich eine Lanze brechen für all die lieben, intelligenten, tollen Männer da draußen, die das NICHT betrifft. Ich glaube fest daran, dass ihr eigentlich in der Überzahl seid. Meine Brüder und männlichen Freunde sind allesamt tolle Männer. Ich respektiere sie, sie respektieren mich und auch wenn ich finde, dass es Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt, die ich persönlich auch sehr gut finde, fühle ich mich gleichberechtigt, geliebt, wertgeschätzt und gesehen. So viel mal dazu. Es gibt aber auch die andere Seite. Und die spürt Mädchen, Frau jeden Tag. Ich habe einmal versucht, das einem Freund zu erklären, der nicht verstanden hat, warum ich mich mit einem Pfefferspray bewaffnet nachts sicherer fühle.


Wenn ER durch den Park geht, kann es sein, dass er ausgeraubt wird, im schlimmsten Fall verprügelt. Wenn er nichts dabei hat, ist er wahrscheinlich ziemlich uninteressant, wenn er groß und kräftig ist, noch weniger. Wenn ICH nachts durch den Park gehe, brauche ich keinen Minirock zu tragen, eine Jogginghose tut es auch, ich brauche kein Geld dabei zu haben, es ist egal, wie groß ich bin, ich habe etwas, dass Männer instinktiv haben wollen: Meinen Körper. Genau genommen: Meine Vagina. Und ich sage das hier jetzt mal so unverblümt, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass mich dieser Körperteil angreifbar macht.


In meinen Zwanzigern habe ich die verschiedensten Erfahrungen gemacht: nette
Jungs, weniger nette Jungs, richtig schlimme.
Nein heißt Nein. Jedes einzelne Mal, von jeder einzelnen Frau.
Selbst eine Prostituierte hat das Recht, Nein zu sagen. Nur mal so in den Raum gestellt. Nur weil man normalerweise mit Vielen schläft, heißt das nicht, dass man es in diesem einen Fall auch so machen möchte. Aber ich schweife vom Thema ab.


Es geht ja nicht mal nur um physische Gewalt. Man lernt früh in seinem Leben, sexuelle Kommentare einfach zu überhören, sie wegzulächeln, wenn es notwendig ist. Im Ferialjob vom Vorgesetzten zum Beispiel, vom Vater der Freundin, von Onkeln, etc. Eine Frau sieht sich dem immer wieder ausgesetzt, meistens ignorieren wir es einfach. Und natürlich, manchmal kann der feine Unterschied für einen Mann nicht so leicht zu erkennen sein. „Dein Arsch sieht gut in diesen Jeans aus“, ist vielleicht vom süßen Nachbarn noch ganz schmeichelhaft, während es vom 20 Jahre älteren Hausmeister unangebracht ist.

Ich will damit sagen, dass mir ein bestimmter Mann gerne Penisfotos schicken darf, während ich sie von anderen nicht haben will. Dass mir auch männliche Freunde durchaus mal ein Kompliment zu meinem Körper machen dürfen, weil ich gerne sexy und schön bin, während sich der Taxifahrer seinen Kommentar bitte sparen kann. Woran, lieber Mann, erkennst du also, ob ein sexueller Kommentar Gewalt an Frauen ist, oder nicht?


Ich habe mir an dieser Stelle kurz überlegt, ob ich eine Art Checkliste für Männer erstellen sollte, damit sie lernen können, wann Kommentare angebracht sind und wann nicht, aber dann musste ich an die Männer in meinem persönlichen Umfeld denken. Die wissen das einfach. Die müssen das nicht lernen. Heißt nicht, dass sie nicht auch sexuelle Kommentare machen. Machen wir Frauen hinter dem Rücken der Männer ja auch hier und da. Aber sie erkennen den Unterschied, haben das nötige Feingefühl, wissen, wann etwas noch Spaß unter Freunden ist und wann es respektlos und herablassend wird.

Sie haben Schwestern, Freundinnen, Mütter und wollen nicht, dass man sich respektlos dazu äußert.
Ich glaube, es ist wichtig, dass wir jene Männer mit ins Boot nehmen, denn sie sind das Vorbild. Wenn sie im Freundeskreis mitbekommen, dass eine Frau herablassend behandelt wird, würde ich mir wünschen, dass sie den Mut haben, für sie einzustehen und Stellung zu beziehen. Sie sind vielleicht die Sporttrainer, Onkel, Väter, Brüder, die zeigen können, dass man eine Frau mit Respekt behandelt, dass Sex zwischen zwei Menschen einvernehmlich sein muss. IMMER. Dass die Zurückweisung einer Frau noch kein Grund sein muss, sie mit herablassenden Kommentaren auf ihr Äußeres, etc. zu beschimpfen, dass man ein Mädchen sicher nach Hause begleitet, dass man ein Mädchen zuerst mal kennen lernen kann, um festzustellen, ob sie sich über einen Kommentar zu ihrem Aussehen freuen würde oder ob es unangebracht wäre, etc.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele finden, aber ich glaube, das braucht es für diese Männer gar nicht, denn sie wissen es. Das hier ist kein Frau gegen Mann, sondern nur ein Mensch gegen Gewalt. Physisch, mental und emotional. Ich könnte noch viel zu diesem Thema sagen..Frauen im Beruf, Jobbewerbung mit Kinderwunsch, das Bild, das Frauen verkörpern und dem sie gerecht werden sollen oder das Bild, dem Männer gerecht werden sollen. Der Druck, der auf ihnen lastet. Vielleicht kommen dazu mal noch weitere Blogeinträge. Für heute lass ich es gut sein.

Seid gut zueinander! Vera Vis.

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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