Hin und Her…

Im letzten Eintrag habe ich vom Ende meiner Reise berichtet. Von den Strapazen, von den Veränderungen, von meinen Eindrücken. Erkenntnis, Wut, Überraschung, all diese gemischten Gefühle. Jetzt bin ich schon seit ein paar Tagen in Selbstisolation. Man möchte meinen, dass diese Zeit in einer kleinen Wohnung, ohne soziale Kontakte wenig Material für einen Blogeintrag hergibt, aber ich fühle mich trotzdem ein bisschen nach schreiben, denn die gemischten Gefühle nehmen kein Ende.

Wie sehen also meine Tage jetzt aus? Ich koche. Ja tatsächlich. Wer mich kennt, weiß, dass ich viel lieber esse, als das ich koche. Ich wasche sogar lieber ab, als das ich koche und wenn ich koche, gibt es immer eine 50/50 Chance, dass es richtig gut oder mittelmäßig genießbar ist. Gestern konnte ich in dieser Wohnung keinen Pfeffer finden. Es ist ja nicht meine Wohnung, denn ich habe ja keine Wohnung! Da habe ich einfach mal Chilipfeffer ausprobiert (solange es irgendwas mit Pfeffer zu tun hat, wird es schon passen) – Naja. 

Ich verbuche es trotzdem als Erfolg, denn zumindest hat außer meinem Mund sonst nichts gebrannt. Hätte auch schlimmer kommen können, wenn ich am Herd stehe.

Heute habe ich mich dann endlich zum Joggen verabredet. Ja richtig! Ich war joggen. Auf meinem Balkon! Ich habe besonders darauf Acht gegeben, dass ich mich nicht verletze! 🙂 Und meine Freundin ging in ihrem Garten joggen. Wir haben telefoniert und ich befürchte, das ganze Wohnhaus gegenüber hat gedacht, ich bin verrückt. Aber ich wette, dass ich heute Nacht besser schlafen werde.

Meistens bin ich nämlich im Moment nachts wach. Zum einen weil ich immer noch an einem Jetlag leide und die Tatsache, dass ich den ganzen Tag kaum Bewegung habe macht die Umstellung nicht gerade einfacher. Zum anderen, weil ich oft nachts wach liege und mir Gedanken mache. Die letzten Wochen kreisen in meinem Kopf, ich bin noch dabei, alles zu verdauen, sacken zu lassen und erst einmal zu realisieren. Und trotzdem finde ich das alles in gewisser Weise bemerkenswert. Während die Weltwirtschaft zusammen bricht und Vieles irgendwie völlig aus dem Ruder gerät, gibt es doch auch so viele kleine Nuancen in diesem ganzen Chaos, die mich zutiefst berühren und mir wirklich Hoffnung machen. Ich glaube, dass nicht nur ich das spüre. 

Zusammenhalt. Wir alle sitzen irgendwo getrennt in unseren Wohnungen und trotzdem sind wir mehr gemeinsam, als ich es je zuvor gespürt habe. Wir tauschen uns aus, trösten einander. Plötzlich verschicken Menschen wieder Blumen, einfach so. Nur um zu zeigen, dass sie noch da sind! Sie rufen wieder an, weil man die Zeit hat, jetzt auch mal zu plaudern. Man wird kreativ, überlegt sich, wie man einander helfen kann. Die Menschen singen gemeinschaftlich Geburtstagslieder, klatschen auf Balkonen, zeigen einander ihre Dankbarkeit.

Diese Krise macht vor niemandem Halt. Sie unterscheidet nicht zwischen reich und arm, Religion, Rasse, Aussehen, Geschlecht, etc. Es betrifft uns alle gleichermaßen. Das verbindet. 

Trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede in den Auswirkungen und ich finde, dass wir uns das bewusst machen müssen. Freunde von mir sind praktisch im Ausland gefangen, warten darauf, dass sie abgeholt werden. Sie sehen, wie die Gesellschaft in diesen Ländern zusammen bricht. Wenn diese Menschen Quarantäne haben, bedeutet das, dass sie womöglich nicht genug Nahrung haben, kein Geld mehr bekommen, ihre Familien nicht versorgen können. Das ganze System bricht zusammen. Militär auf der Straße, Waffen, Ausschreitungen. Keine ausreichende medizinische Versorgung. Wenn überhaupt Quarantäne möglich ist. Was ist mit Straßenkindern, Favelas, Slums, etc.? Da verwundert es schon manchmal, dass es bei uns das größte Problem zu sein scheint, dass wir nicht mehr auf unsere heiß geliebten Berge können. Ich möchte hier aber nicht mit erhobenem Zeigefinger da stehen, denn ich glaube tatsächlich, wenn manche Menschen jetzt noch nicht begriffen haben, dass diese Geschichte nachhaltige Auswirkungen auf uns alle haben wird und wir nichts weiter tun können, als Regeln zu befolgen und abzuwarten, dann wollen sie es schlichtweg nicht begreifen. Da nützt die beste Argumentation nichts mehr. 

So wie in diesem Blog Post liegen Gut und Schlecht, Freud und Leid immer nah beieinander. Mit diesen gemischten Gefühlen gehe ich im Moment durch den Tag oder die Nacht- bzw. durch die ca 25 qm Wohnung meiner Freundin. Manchmal überwältigt und voller Freude über die wunderbaren zwischenmenschlichen Begegnungen, die man trotz der Distanz im Moment hat, tief berührt von Menschen, die sich engagieren und optimistisch und hoffend, dass all das eine tiefgreifende Veränderung in uns hervor rufen wird, dass sich womöglich alles gerade wandelt. Dass wir begreifen, wie leicht es wäre, unseren Planeten zu retten, wenn wir alle an einem Strang ziehen würden, dass wir erkennen, wie wichtig Zeit und zwischenmenschliche Kontakte sind, dass wir entschleunigen und uns selbst besser kennen lernen, zur Ruhe kommen. Unendlich dankbar für die Hilfsbereitschaft und das Miteinander.

Manchmal tanze ich (wie man gesehen hat) und ich habe mich so gefreut, als mir spontan andere Quarantäne Tänze zurück geschickt haben. Immer weiter so! 🙂
Ich bin trotz alldem lustig und freue mich über die vielen Corona Scherzvideos. Spaß muss sein.. Das ist die eine Seite.

Im nächsten Moment lese ich dann traurige Zahlen.. hinter denen Schicksale stehen, Menschen die sterben, die ihre Arbeit verloren haben, die Angst haben. Politiker, die anscheinend gar nichts verstehen und eine Welt, die dieses Problem nur deshalb so ernst zu nehmen scheint, weil es die Wirtschaft und den Tourismus betrifft. 

So schwanke ich hin und her zwischen Frohmut und Traurigkeit zwischen Tanzen und Nicht-Schlafen, zwischen genießbarem Essen und brennendem Mund. Aber all dieses Wirrwarr ist für irgendetwas gut, da bin ich mir sicher.

Fazit für heute..
Bleibt weiterhin so schön liebevoll. Bleibt weiterhin mehr zusammen als getrennt!

Und bleibt weiterhin zuhause!

Lots of love. Vera Vis.







Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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