Kashmir Yoga..

„Sollen wir uns hinter dem Busch hinein schleichen?“ Das war die Frage, die wir uns gestellt haben, als wir schon um acht Uhr in unser Hostel in Santa Teresa wollten, obwohl unsere Hosts uns geraten hatten, wir müssten unbedingt auf diese super tolle Party gehen. Ich habe ja bereits erwähnt, dass wir in einem wunderschönen Hostel von zwei sehr lieben Herren (wir vermuten, ein Pärchen) gelebt haben. Nachdem wir ja schon Plastikflaschen hinein geschmuggelt hatten und schließlich auf Thermoskannen umgestiegen sind, fürchteten wir uns jetzt davor uns als komplette Trantüten outen zu müssen. So ein Tag mit Surfen und Meer macht eben müde.. Trotzdem konnten unsere Herren es nicht glauben, dass wir uns die besten Parties entgehen ließen und lieber chillen wollten. Wir versuchten uns möglichst unbemerkt hinein zu schleichen. Am nächsten Morgen hat uns Mauro trotzdem belehrend darauf hingewiesen, dass er genau wisse, dass wir zwei schlafen gegangen sind. Ertappt.

Santa Teresa erwies sich in den letzten Tagen eben als eher gemütlich und ruhig. Bis auf eine Nacht, als mich Susi plötzlich geweckt hat. Sie hatte von einem Tsunami geträumt. „Hörst du, wie laut die Wellen sind?“,fragte sie. Ich hatte gerade von Kuchen geträumt, daher war meine Antwort nur: „Ich habe gerade von Kuchen geträumt.“ Das war s dann auch. Mehr war von meiner Seite nicht zu erwarten. Ich drehte mich um und schlief weiter in der Hoffnung an meinen Traum anknüpfen zu können. Susi hingegen beschloss, nichts mehr dem  Zufall zu überlassen. Sie besorgte sich noch in der selben Nacht eine Vorwarnungs- App, die uns zukünftig über bevorstehende Tsunamis und andere Naturkatastrophen vorwarnen sollte. Gestern hatten wir zum Beispiel ein Erdbeben. Wir haben es zwar nicht gespürt, aber Dank Susis toller Rescue App sind wir ab jetzt top informiert.

Am vorletzten Abend haben wir an einer Kashmir Yogastunde teilgenommen. Wir wussten nicht so recht, was das sein sollte, aber wir wollten offen sein für alles. Kashmir Yoga stellte sich als Tanzen im Dunkeln heraus. Nichtsdestotrotz fanden wir, dass wir dadurch eine tiefe Ebene der Meditation erreichen konnten. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob ich mir das nur eingebildet habe, denn danach sagte ich zu Susi: „Ich bin jetzt erhellt. Ich weiß, was ich mit meinem Leben machen will. Jetzt ist alles klar.“ Zwei Tage später war ich wieder genau so schlau wie vorher. Vielleicht sollte ich noch mal Kashmir Yoga machen..

Für den letzten Tag auf der Nicoya Halbinsel hatten wir uns viel vorgenommen! Wir sind voll bepackt schon morgens los. Wir suchten die Bushaltestelle, bei der wir warten wollten. Ein Mädchen zeigte sie uns. Es war ein großer Busch. (siehe Foto) Zumindest standen wir im Schatten. Angekommen im Nationalpark Curu waren wir erst einmal so kaputt von der Hitze, dass wir uns auf eine Bank legten und rasten mussten. Später unternahm ich dann doch noch eine kleine Wanderung, während Susi den Strand unsicher machte. Dabei konnte ich viele Affen, Waschbeeren und andere Tiere beobachten. Ein bisschen Angst bekam ich, als mich ein Nasenbär anfauchte. Ich fühlte mich wie Indiana Jones.

Geplant war, dass wir, sobald es dunkel ist, im fluoriszierenden Wasser Schnorcheln gehen und uns danach ein Fahrer so schnell wie möglich zur Fähre bringt, damit wir es noch rechtzeitig schaffen. Ich gebe zu, wir haben alles ein bisschen knapp berechnet, aber uns wurde mehrmals versichert, dass sich das ausgehen müsste. So stachen wir also voller Vorfreude im Sonnenuntergang in See um in einer kleinen Bucht darauf zu warten, dass es dunkel wird und wir dann schnorcheln gehen könnten. Susi und ich mussten wieder mal auf die Toilette. Während sie hinter einem Felsen zu Gange war, hielt ich alle davon ab, in diese Richtung zu gehen. Dann war ich an der Reihe. Susi tat ebenfalls ihr Bestes, jeden davon abzuhalten, mich zu überraschen. Was wir nicht gesehen haben, war ein Typ, der genau hinter dem Felsen hinter dem wir „gesessen“ hatten etwas geraucht hatte. Was genau, muss hier nicht erwähnt werden. Als ob es nicht schon peinlich genug wäre, dass er uns wahrscheinlich dabei beobachtet hat, wie wir „unser Geschäft“ erledigt haben, stellte sich der junge Mann mit den roten Augen und dem Baseball Cap auch noch als unser Fahrer heraus. Er versicherte uns, dass er und sein Kollege uns mit dem Motorbike zur Fähre bringen würden, räumte aber gleichzeitig ein, dass wir im Notfall auch bei ihm schlafen könnten. Bei Susi läuteten alle Alarmglocken. Wir hatten immerhin 25kg Gepäck dabei, (20kg davon gehörten mir).. „Das ist nicht so sinnvoll auf dem Motorrad und bei solchen Straßenverhältnissen“ , erklärte ich vorsichtig. Während der bekiffte (jetzt sage ich es doch) Typ mir dann im Sand die Landkarte von Costa Rica aufgezeichnet hat, die eher an einen Fischschwanz erinnerte, und mir erklärte, warum dieses Plankton leuchtet (ich habe nichts verstanden), eilte Susi zur Tourleiterin und bat sie, augenblicklich ein anderes Taxi zu organisieren, einen Fahrer mit einem richtigen Fahrzeug sozusagen. Der junge Motorradfahrer war zugegebenermaßen ein bisschen enttäuscht, aber Susi und ich waren erleichtert. Schließlich freuten wir uns dann wie Kinder, als wir endlich im Dunkeln unter einem atemberaubenden Sternenhimmel zu einer kleinen Höhle fuhren und ins schwarze Meer sprangen. Mit jeder Handbewegung verwandelte sich das Wasser in lauter kleine Glühwürmchen. Es war unglaublich. Letztendlich haben wir sogar noch pünktlich die Fähre erreicht und waren sehr zufrieden als wir in Puntarenas in unserem Hotel ankamen. Nur eine Nacht als Zwischenstop sollte es sein. Uns wurde ein leckeres Frühstück versprochen. Ein Buffet, das sich im Nachhinein als eine Schüssel Fruit Loops und sehr fragwürdiges Brot heraus stellte, aber Susi und ich nahmen es wie immer mit Humor. Wirklich seltsam war dann die Busfahrt nach Dominical. Bevor wir in den Bus einstiegen, nutzte ich die Zeit, um noch einmal schnell auf die Toilette zu springen. Was soll ich sagen, Klogang ist ein Thema hier. Susi machte den großen Fehler und legte zuerst ihr Gepäck im Bus ab. Sie wollte danach noch mal hinaus, um aufs WC zu eilen, bevor wir abfuhren. „Halt!“, hielt sie der grimmige, etwas dickliche Busfahrer auf. Er erklärte ihr, dass es im Bus eine virtuelle Linie gebe, die man nur einmal überschreiten dürfe, wenn man den Bus betritt und, wenn man ihn wieder verlässt. Wenn sie sie noch mal passieren würde, müsste er von ihr 650 Colones verlangen. „650 Colones für einmal Klogehen?“, fragte Susi entgeistert und ich konnte schon erkennen, dass ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. Der Busfahrer blieb hart und Susi musste sich widerwillig hinsetzen. Wir dachten zuerst, er mache nur Witze, aber auf halber Strecke musste ein junger Mann nach seinem Ausstieg noch mal kurz in den Bus, weil er seine Brille vergessen hatte. Der Busfahrer bäumte sich in der Mitte des Busses auf und schrie: „Ich kann es nicht glauben. Schon wieder hat jemand die Regel missachtet. Schon wieder ist jemand über die Linie gegangen!“ Wütend schnaubte er und der Bursche sah zu, dass er schnell fliehen konnte, bevor er noch die 650 Colones zahlen musste. Susi hat sich brav zurück gehalten. So dringend musste sie dann doch nicht aufs Klo.

Auf dem Weg nach Dominical mussten wir einmal umsteigen in einen anderen Bus mit einem netteren Fahrer. Wir nutzten die Pause für den Klogang (falls euch dieses spannende Thema immer noch interessiert) Als wir in den neuen Bus einstiegen, fragte uns ein Engländer, ob wir gerade vom Berg kämen. „Nein, so reisen wir“, versicherte ich dem armen Mann, der sich dieses Fehlen von jeglichem Stil nur so erklären hätte können. Zum Glück dachten nicht alle so. Im Bus haben wir nämlich wieder neue Freundschaften geschlossen. Drei französische Surfer mit denen wir seit diesem Tag unzertrennlich sind. Einer davon ist sogar Surflehrer, was sehr praktisch ist. Sie stellten sich als wahre Helden und echte Freunde heraus und sind jetzt mit uns weiter gereist nach Pavones. Dazu beim nächsten Mal mehr! Für heute lasse ich es gut sein. Schönen Sonntag, Vera Vis.

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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