Living on the edge..

Santa Teresa. Mein Lieblingort. Wieder eine sehr abenteuerliche Zeit bis jetzt. Ein bisschen weniger davon wäre uns inzwischen tatsächlich egal.
Als wir in Santa Teresa ankamen, waren wir gleich mal so begeistert, dass wir von 5 Tagen auf 10 Tage verlängert haben. Weiße Strände, türkises Meer, super Wellen, ein richtiger Supermarkt, ein Arzt (sollten wir später auch noch brauchen) und total liebe und lustige Menschen, die wir dort getroffen haben! Susi und ich haben wieder mal ein Doppelzimmer, preislich aber voll ok und bei den allerbesten Hosts! Die beiden Herren sind sehr lieb und lustig, auch wenn ich mich schon unbeliebt gemacht habe. Wir leben hier nämlich in einem fortschrittlich umweltfreundlichen Hostel und ich musste schon einige Blicke ernten, weil ich mit Brezeln in Plastikverpackung und Wasserflaschen angekommen bin. Gestern allerdings kaufte ich mir eine Thermoskanne, die ich mir ab jetzt hier auffüllen lasse. Seitdem ist alles wieder gut. Susi ist trotzdem wie immer viel beliebter (ich glaube, sie hat ihre Plastikflaschen besser versteckt).
Wie schon erwähnt, waren wir hauptsächlich hier, um zu surfen. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass ich noch niemals wirklich surfen war. Ich hatte vor drei Jahren eine Stunde bei einem Surflehrer in Bali, der mich auf einem Brett, so groß, wie ein kleines Boot, in die Wellen geschupst hat. Ich fand das damals eher unspektakulär und langweilig. Susi und unsere Jungs (ein paar Österreicher und Deutsche, die wir teilweise schon zuvor in Bocas kennen gelernt und jetzt wieder getroffen hatten) waren eifrig beim Surfen, während ich gemütlich am Strand lag und die Sonne genoss. Ich hatte schon noch vor, ebenfalls zu surfen, aber ich wollte lieber den richtigen Moment abwarten. Der kam für mich am nächsten Tag. Susi, die schon lange Zeit Surferfahrung hat, ging zum Strand, sah die Wellen und kehrte wieder um. Ich hingegen beschloss, dies ist mein Tag, fragte gleich einen der Jungs, ob ich mir sein Brett mal ausborgen kann und schwang mich in die Wellen. Ein Surflehrer, der zufällig in meiner Nähe war, erklärte mir, dass diese Wellen nicht geeignet für Anfänger seien und dieses Brett viel zu klein wäre. Ich probierte es trotzdem. Ganze drei Mal konnte ich schon fast stehen, bis ich mir den großen Zeh prellte. Wer aber jetzt denkt, dass war es mit meiner Surfkarriere, der irrt sich. Zwei Tage später (dazwischen machte ich einen Ausflug von dem ich erzählen werde) lieh ich mir selbst endlich ein Brett aus. Größer als das von Susi, immer noch ein Viertel von dem Brett in Bali. Susi sagte, sie würde mir nun eine Surfstunde geben. Tatsächlich hat sie mir eigentlich nur am Strand kurz erklärt, wie man auf so ein Brett rauf springt und dann stürzte sie sich selbst in die Wellen. „Learning by doing“ war ihr Motto. Gesagt, getan. Obwohl die Bedingungen wieder alles andere als leicht waren, stellte ich mich tatsächlich sehr geschickt an. Ich konnte einige Wellen im Weißwasser stehen, aber dann gingen wohl die Pferde ein bisschen mit mir durch. Ich habe ja mal erwähnt, dass Susi dazu neigt, sich selbst zu überschätzen. Nun, ich denke, ich wahrscheinlich auch. Im Nachhinein erzählte Susi die Situation folgendermaßen : „Ich sah, wie du dich auf dein Brett gelegt hast, so als ob du die Welle nehmen wolltest. Hinter dir einfach dieses monströse Ding. (eine Welle, die nur richtig gute Surfer nehmen würden, nicht mal Susi selbst) Ich hüpfte, winkte, schrie: „Nicht!!! Umdrehen!!! Dreh das Brett in die andere Richtung!!! Die ist zu heftig!“ Du hast mich fröhlich angelacht und ich wusste, in kurzer Zeit würde dich das Ding zerbröseln..“ So erzählte ich Susi die Situation im Nachhinein: „Ich habe mir gedacht, das Weißwasser kann ich jetzt eh schon, versuchen wir mal was Anderes. Ich sah dich, wie du wie wild gestikuliert hast und verstand „Umdrehen“. Also drehte ich mich kurz um und vermutete, dass die Welle wohl recht groß werden würde. Wahrscheinlich müsste ich schneller paddeln, schloss ich daraus, lächelte dir zu und bereitete mich auf die Welle vor. Als sie dann da war, begriff ich, dass etwas anders war, als sonst. Ich war in der Luft. Tatsächlich mit meinem Brett einfach so richtig in der Luft. Ich hatte nicht lange Zeit darüber nachzudenken, bevor mein Brett senkrecht nach unten in die Welle einstach und ich gleich mit. Während es mich so unter Wasser durcheinander wirbelte, ich mit einer Hand versuchte, meinen Kopf vor dem Brett zu schützen, mit der anderen die Nase zu hielt, überlegte ich, ob du vielleicht jetzt gerade denkst, dass ich ertrinke. Denn so lange kam mir die Zeit da unten vor. Als ich irgendwann doch wieder Tageslicht erblickte, schwamm sofort ein Surfer auf mich zu, der das ganze von vorne beobachtet hatte. Er war ganz blass und rief völlig geschockt: „Are you OK?“ Ich machte die Daumen hoch, lächelte und erklärte entschuldigend: „It’s my first day today!“
„Living on the edge“, sagte Susi später. Sie hätte so etwas noch nie erlebt und kenne keinen Anfänger, der jemals so eine Welle genommen hätte. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich es schlichtweg nicht besser wusste. Aber wer weiß.. Vielleicht schaffe ich sie ja beim nächsten Mal?
Wie ich schon erwähnt habe, haben wir hier auch Freundschaften geschlossen, was bisweilen beim Reisen auch sehr praktisch sein kann. Susi und ich trauen uns nämlich manche Sachen nicht, wie zum Beispiel mit einem Quad zu fahren. Auf normalen Straßen vielleicht, aber hier ist das ein bisschen anders. Zum Glück habe ich einen lieben Österreicher so lange genervt bis er (trotz anderen Plänen) endlich eingewilligt hatte, mit mir eine Quadtour zu machen. Juhu! Endlich eine starke Männerbrust zum Festhalten und dann noch pure Action. Ich war froh, dass er mitgemacht hat, denn schon bei der Einführung und Erklärung zu diesem Ding verstand ich Bahnhof, lächelte unwissend und hoffte, dass mein Begleiter alles gecheckt hatte. Hatte er zum Glück auch! Der Typ beim Verleih erklärte uns die „einfachste“ Strecke nach Montezuma, was sich als eine Mischung aus Berg-und Talfahrt, Buckelpiste aus Dreck und Schlammpfützen darstellte. Er kam zugegebenermaßen einige Male ins Schwitzen, als es riskant wurde, aber ich genoss die Aussicht hinten drauf und freute mich, dass ich mich um nichts kümmern musste. Wer mich kennt, der weiß, ich liebe Action und Abenteuer.. In Montezuma angekommen, wollten wir einen Wasserfall besuchen, zu dem man aber nur über einen steinigen, abenteuerlichen Weg kommt. Ich hätte mir das lieber mal zuvor durchlesen sollen, bevor ich mit FlipFlops dort ankam. Diese waren dann natürlich nach gefühlten drei Sekunden kaputt, weswegen ich den Rest des Weges, im wahrsten Sinne über Stock und Stein, barfuß zurück legen musste. Egal, lustig war es trotzdem und jetzt habe ich eine dicke Hornhaut auf meiner Fußsohle.. Der Wasserfall war die Mühe wert. Nicht nur, dass wir auf dem Weg dorthin Äffchen gesehen haben, sondern auch das Schwimmen und von den Felsen ins Wasser springen war richtig gut. Vielleicht hätte ich Wäsche zum Wechseln mitnehmen sollen.. Noch so eine Sache, bei der man im Nachhinein klüger ist. Wie dem auch sei, der Tag war perfekt, mein Begleiter der beste Quadfahrer der Welt und ich schlief totmüde, aber überglücklich am Abend ein. Am übernächsten Tag (dazwischen war ich ja „surfen“) standen Susi und ich früh auf, um bei der Wäscherei den Termin für die Abholung unserer Wäsche zu vereinbaren und Yoga zu gehen. Na gut.. Wir wollten nach dem Yoga auch noch shoppen, aber das ist nicht nur meine Schuld. Susi ist inzwischen mega motiviert und meinte sogar: „Hätten wir doch noch mehr in Puerto Viejo eingekauft, da waren die Geschäfte besser!“ Ist das zu fassen?
Wir hatten auch unseren ersten Streit, weil sie zu einem Restaurant wollte, das gefühlte 1000 Kilometer weit entfernt war und ich nicht gesagt habe, dass sie allein dorthin marschieren kann. Stattdessen bin ich mürrisch mitgegangen, was nie ein guter Ausgangspunkt für so eine Unternehmung ist. Spätestens aber als wir total gestresst waren, weil wir unsere Wäsche noch abholen mussten, bevor die Wäscherei schließt (der Weg zum Restaurant hat einfach zu lange gedauert.. Muss ich hier noch mal erwähnen ;)) und Susi voller Motivation los rannte, um noch pünktlich dort zu sein, während ich schlapp in der Mittagshitze dahin schlenderte und noch ein bisschen Schaufenster bummelte, erinnerte ich mich wieder daran, wie dankbar ich für meine Reisepartnerin sein kann. Es war zwar alles umsonst, denn die Wäscherei hatte schon geschlossen (wegen emergency stand wieder drauf.. schon zum dritten Mal diese Woche) aber ihr Einsatz war wirklich lobenswert. So hatten wir also keine Wäsche mehr und als wir dachten, dieser Tag könnte nicht noch chaotischer werden, wurde er es doch. Susi und ich saßen in unserem Zimmer beim Abendessen, als es plötzlich laut knallte und genau vor unserem Zimmer ein Kabelbrand entfachte. Wir nahmen, die für uns wichtigsten Dinge mit und flüchteten nach draußen. Ich mein Tagebuch, Susi ihren Burrito. Was soll ich sagen? Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich klug gewesen, auch etwas Geld und den Pass einzupacken, aber im Ernstfall beschränkt man sich eben auf das Wesentliche..
Zum Glück konnte der Brand gleich gelöscht werden und wir durften bald wieder in unser Zimmer, wo Susi heldenhaft, nur mit BH bekleidet und einem großen Handtuch bewaffnet Frischluft durch ein Fenster in unser Zimmer fächerte. Ich war währenddessen die meiste Zeit auf der Toilette, denn ich habe mir eine fiese Blasenentzündung eingefangen, (vermutlich durch das Quadfahren mit nasser Hose) weswegen ich morgen dringend zum Arzt muss.. Ihr seht, ich nutze die schlaflose Nacht aber, um euch auf dem Laufenden zu halten..Alles Liebe, Vera Vis.

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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