In love with Erwin..

Endlich! Wie ihr schon anhand des Titelbildes unschwer erkennen könnt, haben wir unser Faultier gefunden. Und nein, ich bin es nicht! Auch wenn wir große Ähnlichkeiten feststellen konnten, aber dazu später mehr.. 🙂


Zuvor an diesem Tag haben wir erst mal noch verzweifelt danach gesucht. Immer noch auf der Insel Bastimentos, in dem wunderschönen Bed&Breakfast, abgelegen von allem, entschieden wir uns dazu, ein Kajak zu nehmen und vielleicht vom Wasser aus ein Faultier zu erspähen.
Das stellte sich allerdings als gar nicht so einfach heraus, weil es nur ein Kinderkajak, ein Standuppaddle und ein Kanu (zwei Sitze) gab. Susi aber weigerte sich, sehr zu Erheiterung des Volunteers, vehement dagegen mit mir gemeinsam ein Kanu zu nehmen. Der offizielle Grund dafür war der, dass uns ein bisschen getrennte Zeit nicht schaden könnte. Ich hatte sie allerdings durchschaut.. Sie hatte einfach nur Angst, dass ich nicht rudern würde und in einem Kanu die ganze Arbeit an ihr hängen bleiben würde. Ich gebe zu, diese Sorge ist nicht ganz unbegründet. Ich fand das trotzdem sehr amüsant, weil sich Susi doch tatsächlich lieber in das Kinder – Kajak gesetzt hat, als mit mir ein Kanu zu teilen. Ich nahm das Stand Up Paddle und los gings.

Nach etwa 10 Minuten war Susi, die schon recht tief im Wasser lag mit dem kleinen Ding, doch plötzlich motiviert, aufs Kanu umzusteigen. Gesagt, getan, wir paddelten wieder zurück, wechselten zum Kanu, ich ruderte brav mit und Susi war vollends zufrieden und glücklich! Im Sonnuntergang fuhren wir durch Mangrovenhöhlen und umrundeten kleine Inseln. Wir sangen Lieder, pfiffen und versuchten so, etwaige Tiere hervorzulocken. Ich glaube, sie stehen nicht auf die Kinderlieder, die ich sonst so in meinem Repertoire habe. Susi fand auch, dass ich das lieber lassen sollte. Letztendlich haben wir wieder kein Faultier gefunden und Susi war schon ein bisschen frustriert. „Wenn es für uns bestimmt ist, werden wir auch eines sehen!“, erklärte ich weise.


Nach dem Abendessen meinte ein Volunteer, dass wir einfach nachts am Weg im Garten schauen könnten, weil diese Tierchen liebend gern die roten Blüten verspeisen würden, die den Weg säumen. Mit Taschenlampe bewaffnet und schon gar nicht mehr daran glaubend machten wir uns also erneut auf den Weg. „Hier ist keines!“, sagte ich kopfschüttelnd als Susi fast ausflippte, weil genau hinter mir ein Faultier vom Baum hang.


Erwin. So haben wir ihn getauft. Susi war sofort in ihn verliebt und ich glaube, das liegt daran, weil Erwin gewisse Ähnlichkeiten mit mir hat. Wenn er vorhat, sich zu bewegen, nimmt er sich eine angemessene Anlaufzeit, das mache ich auch ganz gerne. Seine Filzwelle erinnert ein bisschen an meinen Afro-Bob, den ich hier so langsam durch die feuchte Luft entwickelt habe und wenn man das Foto, das wir gemacht haben, auf den Kopf stellt, sieht man das verführerische Lächeln. So lächle ich auch immer.. Kein Wunder also, dass Susi ganz hin und weg war und nur immer wieder wiederholte: „He is so cute, I want him as my boyfriend!“


Am nächsten Tag, zufrieden von unser nächtlichen Begegnung mit Erwin, stiegen wir also wieder in ein Boot nach Bocas und dann weiter nach Almirante.
Von dort aus ging es dann wieder via Bus nach Puerto Viejo, über die Grenze also, von Panama nach Costa Rica. Das dachten wir zumindest, aber an der Grenze stoppte unser Bus. Wie immer scheuchten uns ein paar Panamenos schnell zum Einreiseschalter. Wir waren inzwischen daran gewöhnt, einfach zu folgen, wenn fünf dieser Männer durcheinander schrien, sobald man den Bus verließ und einen wie eine Kuhherde voran trieben.

Als wir unseren Einreisestempel erhalten hatten, ging es aber nicht zurück zum Bus. Ein anderer Mann, ich muss gestehen, ich kann nicht sagen, ob er aus Costa Rico od Panama stammte, hatte inzwischen unser Gepäck (also das von Susi und mir und zwei Amerikanerinnen mit üppigem Dekolleté auf Saufurlaub) in einen kleinen Schubkarren verfrachtet und erklärte sehr bestimmt, dass wir alles machen müssten, was er uns sagte. Wir vermuteten, es musste sich um den neuen Fahrer handeln. Jegliche Klogehversuche scheiterten, denn er bestimmte, wann wir gehen durften und wohin. Wir fanden ihn ziemlich amüsant. Sobald uns ein anderer den Weg erklären wollte, schritt er schweißgebadet ein, um uns zu erklären, dass wir nur auf ihn hören durften.

Dann ging es los. Ja wirklich.. Wir GINGEN! Susi und ich konnten es nicht glauben, wir überquerten tatsächlich die Grenze von Panama nach  Costa Rica! Zu Fuß!! Begleitet von den zwei schwankenden Amerikanerinnen und dem schweißgebadeten Typen mit dem Schubkarren und unserem Gepäck. Ich war dankbar, dass wir offensichtlich so einen engagierten Fahrer hatten, wenn ich mir so die anderen ansah, die die Rucksäcke selbst über die Grenze tragen mussten. Auf der anderen Seite angekommen allerdings, stellte er das Gepäck bei einem Bus ab, verlangte Tips (Trinkgeld) und verschwand.. Allmählich dämmerte uns, dass das wohl nicht unser Fahrer gewesen war. Ich gab ihm gern einen Dollar, dafür, dass ich nicht meinen riesen Rucksack durch die Gegend schleppen musste.

Susi hat mir einmal etwas von Indiana Jones erzählt, von dem ich wirklich so gar nichts weiß. Wenn wir Entscheidungen treffen müssen, beraten wir uns im Nachhinein daher immer, ob wir uns letztendlich „wisely“ oder „poorly“ entschieden haben. Jedenfalls fragte uns der Busfahrer, ob wir lieber die langweiligere Tour auf der Straße nehmen wollten, die eineinhalb Stunden dauerte, oder die Abkürzung durch den Dschungel, die nur 25 Minuten dauerte und bei der wir wahrscheinlich Tiere sehen würden. Susi wollte sich ein bisschen Zeit nehmen, um das kurz mit mir zu erörtern, aber ich war fest davon überzeugt, dass die Dschungelroute besser sei, wie auch der Rest der Fahrgäste. Eineinhalb Stunden später, denn der Weg dauerte tatsächlich so lange, nach ein paar äußerst holprigen Straßen, beinahe im Schlamm hängen geblieben, einer Vera Vis mit flauem Magen, ohne Tiersichtungen und als letzte noch im Bus (obwohl unser Hostel über die andere Route das erste gewesen wäre) musste ich zugeben: „I chose poorly.“


Puerto Viejo. Eine kleine Touristadt am Meer. Schön zum Baden, Yoga machen und vor allem zum Shoppen, was, wer mich kennt, mein Untergang ist. Zum Glück ging ich nicht allein unter, denn inzwischen hatte ich Susi bekehrt, sodass sie schon Sätze von sich gab, wie: „Wirklich wichtig ist jetzt, dass ich ein bauchfreies Top finde.“
Ich habe schon so manchen Konsumverweigerer in einen Shoppingrausch manövriert.
An unserem Tag in Puerto Viejo gingen wir aber auch zum Yoga. Ja richtig. Wir GINGEN wieder, denn was via Google maps wie zwanzig Minuten Gehzeit aussah, war ein ewig langer Weg in Yogahosen unter der karibischen Morgenhitze. Danach noch ein schokoladiges Frühstück in der Chocolate Factory und schließlich wertvolle Strandzeit. Ich habe ja schon erwähnt, dass die Karibik wettertechnisch ein bisschen instabil ist, weswegen ich wieder einmal Susi verspottete, die trotz dicker Wolkendecke im Schatten saß, während ich mich mutig unter den grauen Himmel wagte. Am Abend hatte ich einen fetten Sonnenbrand im Gesicht und nun war es zur Abwechslung mal Susi, die sich über mich lustig machte..


Von Puerto Viejo aus nahmen wir wieder einen Bus nach San José. Ich weiß, was ihr denkt: Für jemanden, der so unter Reiseübelkeit leidet ist diese Reise wirklich eine Herausforderung. In San José wollten wir umsteigen, um zur Nicoya Halbinsel, genau gesagt Mal Pais/ Santa Teresa zu kommen. Wie immer schrien uns ein Haufen Taxifahrer an, sobald wir ausstiegen. Da blieben sich die Ticos und die Panamenos nichts schuldig.. „Wir suchen den Bus nach Santa Teresa“, versuchte ich den Taxifahrern zu erklären. „Das ist ein ganz anderer Terminal“ erklärte Susi einer von ihnen, woraufhin alle anboten, dass sie uns zum Bus Terminal bringen würden, zu dem wir müssten. Dieser Terminal sah tatsächlich ein bisschen klein aus, wir entschieden uns trotzdem dazu, noch mal nachzufragen. „Mal schauen“, erklärte Susi dem Taxifahrer, der ihr aber versicherte, dass sie sich die Zeit sparen könnte, denn er wüsste genau, dass wir zu einem anderen Terminal müssten. Er hatte auch recht damit, was er aber verschwiegen hatte, war die Tatsache, dass dieser andere Terminal gerade mal 3 Minuten entfernt um die Ecke lag. Wahrscheinlich hätte uns der hilfsbereite Fahrer 3mal um den Block gefahren und dann 20 Dollar verlangt.

Im nächsten Terminal mussten wir 2h warten. Wir trafen Leute, die uns sagten, wie unsicher es hier sei und einen Holländer, der uns darum bat, kurz auf sein Gepäck aufzupassen, nur um dann 1h zu verschwinden. Ich verspeiste ein Würstchen im Schlafrock, was meiner Verdauung im Nachhinein nicht so gut getan hat, Susi trank insgesamt einen Kaffee, einen Tee, zwei kleine Flaschen Wasser und einen Orangensaft. Die dritte Flasche Wasser steckte im Automaten fest, was wir für ein Zeichen des Himmels hielten, nachdem sie gestresst vor der sechsstündigen Busfahrt aufs Klo eilte.

Schließlich stiegen wir in einen halb demolierten Bus ohne Beinfreiheit und Klimaanlage ein. Fremde Menschen lachten und nannten mich „cargada“ ( „beladen“) oder wunderten sich, warum ich so viele Schuhe dabei habe.. Ich entschied mich dazu, bei der nächsten Reise einen Rollkoffer mitzunehmen. Angekommen in Santa Teresa, Mal Pais haben wir unser Paradies gefunden. Nächstes Mal mehr dazu 🙂 Pura Vida, VERA VIS.

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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