A very blessed journey..

Nach unserer aufregenden Wanderung war es nun an der Zeit, weiter zu ziehen.. Es hätte auch einen direkten Shuttlebus gegeben, der aber mehr gekostet hätte und Susi und ich entschieden uns dazu, Geld zu sparen und wie die Einheimischen zu reisen. Später bereuten wir diese Entscheidung ein bisschen..

Unsere erste Fahrt führte uns nach David. Dieser Weg dauerte in etwa eineinhalb Stunden, die Sonne schien, ich hatte meine Reiseübelkeit ganz ohne Tabletten (ich wollte diese mal vermeiden, weil ich davon ja immer so benommen werde) einigermaßen im Griff und als wir in David ankamen, stellten Susi, ich und René (den wir im Hostel kennen gelernt hatten) fest, dass wir ganz easy mit den Öffis fahren können und die Touristen Shuttle vollkommen überwertet werden.. Voller Motivation stiegen wir in den nächsten Bus ein, der uns in fünf Stunden nach Almirante bringen sollte.

Schnell verging meine Zuversicht. Der Bus war absolut und bis oben hin bummvoll. Man darf sich unter Bussen in Panama keine richtigen Busse vorstellen, die sind ungefähr so groß, wie ein Kleinbus für höchstens 20 Leute. In diesem Bus waren wahrscheinlich so ca 40 Leute. Ich wurde irgendwo in die Mitte hineingequetscht. Meine rechte Pobacke hatte gar keinen Sitzplatz, links von mir war eine dickliche Dame, Susi saß weiter vorne. Ich wusste, was sie dachte, als sie zu mir nach hinten blickte.. „Oh Gott, wird Bernadettes Magen diese Reise überstehen?“ Ich nahm mir allerdings vor, die widrigen Umstände zu akzeptieren, nicht zimperlich zu sein und Susi immer ein Lächeln zu schenken, wenn sie zu mir nach hinten blickt. Man sollte seine Laune ja nicht am Reisepartner auslassen.
Hinter mir, teilweise auch über mir, tummelten sich lauter heftig hustende Kinder, die trotzdem freudig auf den Sitzen herum kletterten und nicht davor zurück schrecken, direkt in meine Ohren zu husten, weswegen ich sofort meine Kopfhörer aufsetzte. Hoffentlich gibt’s hier kein Corona..

Bevor wir aber die Reise endgültig antreten konnten, stieg noch ein Priester zu, der lautstark predigte und den Herrn im Himmel pries. Er segnete unseren Bus und sammelte Spenden. Ich war zu geizig, weil er mir zu viel geschrien hatte, Susi spendete einen Dollar. Vielleicht hat uns das später gerettet, wer weiß?

Eigentlich hätte der Bus zwei Stunden gebraucht, wir benötigten schon zwei Stunden für die ersten paar Kilometer, weil wir an ca 5 Baustellen jeweils 20 Minuten gewartet haben. Trotz der vielen Warterei gelang es Susi nicht, den Busfahrer davon zu überzeugen, dass sie schnell auf die Toilette müsste (Kaffee u Tee zum Frühstück ist vor Busfahrten keine gute Idee) Dann ging es die Bergstraße nach oben.
Jetzt wurde es richtig heiß in dem kleinen Bus, das Wasser tropfte schon von der Decke. Einer der hustenden Jungen hinter mir fand mich, meine Kopfhörer und überhaupt meine ganze Kleidung sehr interessant u hatte keine Scheu vor körperlicher Nähe.

Immer noch lächelte ich und erinnerte mich daran, dass Reisen nicht immer ganz so bequem ist.
Inzwischen wurde es richtig neblig, die Straßen immer schlechter u Susi immer verzweifelter. „Wenn ich jetzt nicht auf die Toilette darf, dann mach ich in die Hose“ schrie sie verzweifelt nach hinten zu mir durch den Bus. Die deutschen Mädels in der letzten Reihe schmunzelten. „Genau das sagst du dem jetzt sofort!“, forderte ich eindringlich! Endlich hörte sie mal auf mich, diese sture Nuss! Sie wollte einfach niemandem zur Last fallen, und ich befürchtete schon, sie würde sich lieber anpinkeln, als den Busfahrer noch mal zu behelligen.
Zum Glück ließ sie es dieses Mal nicht so weit kommen. Als der Busfahrer die Dringlichkeit endlich begriffen hatte, hielt er an und Susi sprang raus. Rettung in allerletzte Sekunde würde ich mal sagen. Der ganze Bus nahm daran teil und jeder weitere Klogang ihrerseits wurde fortan und während der ganzen Fahrt genau registriert, dokumentiert und kommentiert.

Aber der schlimmste Teil kommt erst noch und hier wird es doch auch mal ein bisschen ernst. Unser Busfahrer war offensichtlich lebensmüde, trotz einsetzendem Regen, einem Fahrzeug (das bei uns keinen TÜV mehr überstehen würde) voller Menschen, darunter auch Kinder u einer Nebelwand, bei der man wirklich gar nichts mehr sehen konnte, entschied er sich auf dieser Bergstraße richtig Gas zu geben und jedes Fahrzeug zu überholen, das ihm im Weg stand. Ich begann damit, ein Vater unser nach dem anderen runter zu beten und bereute tatsächlich kurz, dass ich heute nichts gespendet hatte.
Gedanklich bereitete ich mich darauf vor, die Kinder hinter mir irgendwie zu retten, sollten wir den Berg hinab stürzen. Das mag jetzt ganz amüsant klingen, aber ich hatte in meinem Leben noch niemals so große Angst. Nicht zu Unrecht, wie sich dann leider herausstellte.

Ich hatte gerade die Augen geschlossen als ich durch die Musik meiner Kopfhörer hindurch plötzlich lautes Schreien wahrnahm, just in jenem Moment als ich die Augen öffnete, raste ein LKW auf und zu, rechts war ein Geländewagen. Wir hatten keinen Platz zum Ausweichen. Das Folgende spielte sich wie in Zeitlupe ab und ich werde diesen Moment nie vergessen. Ich sah den LKW direkt auf uns zukommen, der Fahrer riss seinen Wagen herum, der Geländewagen neben uns musste ebenfalls seinen Wagen herumreißen, ich vermute, er hat unglaublich schnell beschleunigt. Es kam zu einer Kollision, der ganze Bus wackelte, es knallte laut.
Der LKW Fahrer hatte uns links vorne an der Fahrerseite erwischt, fuhr dann aber einfach weiter. Unser Bus stand sofort still. Die Menschen schrien und die dicke Dame neben mir begann fast zu weinen, sie machte drei Kreuzzeichen. Wir alle durften den Bus sofort verlassen und stellten uns an den Straßenrand, wo wir erst mal alle irgendwie recht erleichtert auflachten. Die Seite des Busses war zwar beschädigt, wir konnten trotzdem noch fahren.

Der Busfahrer telefonierte aufgeregt, Susi und ich gingen wieder pinkeln und bis zum Abend realisierten wir nicht, wie knapp wir hier einem richtigen Autounfall entgangen waren. Alle Insassen des Busses verband dieses Erlebnis aber. Danach beschwerte ich mich über nichts mehr, der zutrauliche Junge saß wieder an seinem Platz, der Fahrer fuhr ganz vorsichtig, überholte niemanden und hielt schließlich sogar an, um ein Faultier von der Straße zu retten. (Endlich haben wir eines gesehen)

Die Lust aufs Busfahrten war uns vergangen, wir mussten trotzdem noch zweieinhalb Stunden weiter fahren, dann noch mit einem Taxi zum Hafen und schließlich mit dem Boot zur Insel Bocas.

Nach dem ganzen Schock und der beschwerlichen Fahrt freuten wir uns unglaublich auf das Hostel. Wir träumten von einer warmen Dusche, einem gemütlichen Bett und vielleicht auch ein paar netten Zimmergenossen 😉


Was wir vorfanden war ein Kellerschlafsaal ohne Fenster mit einem älteren Herren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem übelsten Gestank nach Schimmel, Schweiß und sonstigen, undefinierbaren Gerüchen. Susi und ich waren kurz vorm Verzweifeln.
Wir gingen alle Optionen durch, fragten sogar in anderen Hotels nach. Wir waren bereit, horrende Summen drauf zu zahlen, nur um nicht in diesem Zimmer übernachten zu müssen.
Schließlich wagten wir noch einen letzten Versuch bei der übel gelaunten Rezeptionistin. „If you have a better room for us, God may bless you!“, sagte ich in meiner Verzweiflung. Susi blickte mich skeptisch an und konnte gar nicht glauben, was da aus meinem Munde kam. Sofort erhellte sich die Stimmung der Dame, sie gab uns nicht nur irgendein Zimmer, sondern das größte des ganzen Hostels um einen sehr geringen Aufpreis. Man kann glauben, was man will, aber gestern war ein gesegneter Tag!

Endlich in diesem Zimmer angekommen, könnt ihr euch nicht vorstellen, wie Susi und ich uns gefreut haben. Wir tanzten, schrien herum, umarmten uns, konnten unser Glück kaum fassen. Man musste denken, wir seien vollkommen verrückt geworden. Dem war nicht so! Wir waren einfach nur sehr sehr glücklich. Ein Raum, der nicht stinkt und Fenster hat, eine Seife, frische Betten.. Wir lebten noch (die wichtigste Erkenntnis des Tages).. Wir waren die Königinnen auf Erden.

Reisen ist so viel mehr als nur neue Kulturen kennen lernen und ich bin so froh, dass ich die beste Reisepartnerin an meiner Seite habe 😉

Alles Liebe, Vera Vis









Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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