Viel Gebrüll um nichts..

Da wären wir wieder. Susi mit Gips, ich mit viel Gepäck. In Santa Catalina war sie der Hit. Das ganze Hostel hatte Mitleid mit der kleinen, hübschen, blonden Österreicherin. Während sie liebevoll Susann gerufen wurde, nannte man mich nur „cangreja“, was übersetzt „Krabbe“ bedeutet. Diesen Namen gab mir der Koch, weil ich eben immer noch so einen rieeesen Rucksack mitschleppe unter dem ich immer verschwinde, wie eine Krabbe in ihrem Krabbenhaus.

Auf der Busfahrt nach Boquete hatten wir daher auch ein bisschen Angst, dass der Bus unter dem Gewicht meines Gepäcks zusammen bricht. Zum Glück haben wir es trotzdem geschafft. In Boquete angekommen haben wir sofort eine aufregende Dschungeltour mit Guide gebucht. Quetzal trail.. Hier muss ich kurz erwähnen, dass Susi und ich davon ausgingen, dass Quetzal „Faultier“ bedeutet. Dem war nicht so.. Aber dazu später mehr.

Am Morgen standen wir früh auf, weil wir dachten, es gäbe Pancakes zum Frühstück. Es war auch alles da, was man für Pancakes braucht, nur kein Koch. Kein Problem für uns.. Ich war noch nicht ganz ausgeschlafen, deshalb sah mein Pancake ein bisschen verkümmert und traurig löchrig aus, was dazu führte, dass Susis Ehrgeiz wieder mal zum Vorschein kam. Wie ihr vielleicht schon festgestellt habt, neigt sie manchmal dazu, sich selbst zu überschätzen. Ihr pancake sollte kein so kümmerliches Häufchen Elend werden, wie der meine. Einhändig schwang sie den Löffel und schüttete so viel Teig in die Pfanne, dass schließlich gar nichts mehr ging. So saß ich zufrieden bei meinem Mini Pancake, während Susi in einem riesen Haufen Teig herum stocherte..Tja, liebe Susi, Hochmut kommt vor dem Fall.




Dann war es endlich so weit! Wir wurden auf eine abenteuerliche Reise abgeholt. Unser Tour guide war blutjung , zwei ältere Damen haben uns begleitet und schließlich standen wir im Dschungel, auf der Suche nach quetzales.. Eine Vogelart, wie wir nun feststellen konnten. So wanderten wir als fünf Stunden durch den Dschungel auf der Suche nach… Vögeln.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich für meinen Teil finde Vögel nur so mäßig interessant, im Gegensatz zu dem super informierten und total motivierten Tourguide und den beiden Damen, die schon eeewig auf der Suche nach diesen Vögeln waren. Selbst Susi war anfangs noch äußerst ehrgeizig damit beschäftigt, herum fliegende Kolibris mit ihrer Kamera einzufangen. Nach den ersten vier Stunden ließ aber sogar ihre Begeisterung ein bisschen nach. Auf dem Weg begegneten uns lauter „Birdnerds“ wie wir auf ihren T-shirts lesen konnten.

Irgendwann behielt ich es für mich, wenn ich glaubte, wieder einen dieser Vögel gesichtet zu haben.. Zu groß war meine Angst, dass wir wieder eine halbe Stunde lang stehen bleiben würden, um ihn zu beobachten.

An einer Stelle sagte der Guide dann: „Here are maybe manny quetzales. Be very quiet and look up to the trees!“ Das habe ich natürlich dann auch befolgt, weswegen ich prompt eine kleine Stufe am Weg übersehen habe und sehr gekonnt (Susi ging hinter mir und würde es wahrscheinlich anders nennen) eine Umdrehung um die eigene Achse gemacht habe und im Gebüsch gelandet bin. Susi hat sich so dermaßen kaputt gelacht (sie lacht jetzt immer noch), dass der guide uns ganz oft darauf hinweisen musste, dass nun alle Vögel weg fliegen würden bei dem Lärm.

Wer jetzt nach dieser Schilderung denkt, diese aufregende Wanderung war schon zu Ende, der täuscht sich. Es ging weiter und weiter und weiter, immer wieder inne haltend, ob wir nicht doch noch einen dieser quetzales sehen würden. Susi hat mich schon damit erpresst, sie würde wieder behaupten, sie hätte ihn gesehen, den quetzales, wenn wir nicht dorthin Abendessen gingen, wohin sie wollte.

Sehnsüchtig starrte ich in die Tiefen des Dschungels und wünschte mir einen Tiger oder einen Affen herbei. Prompt hörten wir ein tiefes, lautes Brüllen.. Jetzt war sogar der Guide erschrocken. Ein Tiger! Es war bekannt, dass sich einer in diesem Gebiet aufhielt, Kameras, die dort aufgestellt waren, hatten ihn schon fotografiert, aber in all den Jahren hatte er ihn noch nie gehört. Er war richtig nah.




Während Susi kurzzeitig das Lachen verging und ihr Gesicht kreidebleich wurde und der Guide uns darauf hinwies nun erst recht ganz leise und zügig weiterzugehen, freute ich mich, dass die Dschungelwanderung doch nicht völlig umsonst gewesen war. Ich dachte nur: Im schlimmsten Fall würde mich ein Tiger auffressen.. Es gibt schlechtere Arten zu sterben.. Außerdem wäre ich dann endlich von dieser Wanderung erlöst.

Schließlich und endlich kamen wir doch irgendwann wieder in die Zivilisation. Ich habe dem guide dann doch noch erzählt, dass ich mir den Tiger herbei gewünscht habe, weswegen er mich jetzt für eine Art Tierflüsterin hält. Er sagte, er würde noch lange an diesen Tag zurück denken. Ich auch.

Jetzt geht es erst mal weiter zu den Inseln.. Vielleicht sehen wir ja dort endlich mal Faultiere. Reis haben wir immer noch nicht gefunden..
Bis bald, eure Vera.

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

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