Ich lebe noch..

..und ich sage das nicht nur, weil ich meine erste Prüfung überstanden habe oder Weihnachten und Silvester, sondern vor allem, weil ich mich selbst manchmal daran erinnern muss. Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass mein schon fortgeschrittenes Alter für mich tatsächlich eine größere Rolle spielt, als ich es gerne zugeben möchte. „Jaja… Jammern auf hohem Niveau!!“ hallt es laut von den Reihen der 1970er Jahrgänge… Ich weiß, ihr armen Schweine seid noch schlimmer dran, aber in meinem Blog geht es ja um mich. Jetzt mal ernsthaft: 34!!!!! Es ist nicht gerade so, dass ich nachts schweißgebadet aufwache und das Gefühl habe, meine noch verbleibende Zeit rinnt durch meine Finger… Aber FAST!!! 

Es fällt mir immer öfter auf, dass ich mir wirklich alt vorkomme. Und das liegt wahrscheinlich größtenteils an mir selbst, denn ich werde nicht müde, mein Alter ständig und bei jeder Gelegenheit zu betonen. Wir sitzen zum Beispiel in einer gemütlichen Runde, schätzungsweise alle zwischen zwanzig und dreißig und was mache ich? Ich verkünde lautstark, dass ich wohl die Älteste hier bin! Warum mache ich das immer wieder? Gerade so als wäre ich die Urmutter, das Fossil, die Greisin der Runde. Man gebe mir einen Stock und ein Hörgerät bitte! Dabei wäre das gar nicht notwendig, ich werde nämlich meistens wesentlich jünger eingeschätzt. Außerdem sollte das Alter doch eigentlich keine Rolle spielen, aber ist dem wirklich so?

Vor einiger Zeit habe ich einmal mit einem Freund gesprochen, der ursprünglich aus Afrika kommt. Er hat mir erklärt, dass es in manchen Gegenden keine Geburtsdokumente gibt, was dazu führt, dass die Eltern bei der Ausreise einfach irgendeinen Tag für deinen Geburtstag auswählen. Sie versuchen dann ungefähr zurück zu rechnen, wie viele Jahre du schon hier auf Erden wandelst. Er meinte, er wäre so zwischen 30 und 35 Jahre alt, genau wisse er es nicht. Aber laut seinen Dokumenten ist er jetzt 32. Ich war im ersten Moment schockiert, aber dann hat der junge Mann mir erklärt, dass er es schön fände, dass er lange Zeit gar nicht darüber nachgedacht hat, wie alt er sei, weil er das Leben ganz anders gelebt hätte und, dass es hier sehr viele gesellschaftliche Normen gibt, die dem Alter angepasst sind. Was soll ich sagen? 

Ich muss nach Afrika!!!!!

„Man ist ja immer so alt, wie man sich fühlt“, sagen viele, aber ich glaube, das stimmt nicht immer so ganz. Ich fühle mich verdammt jung und kann mir nicht vorstellen, dass ich mich jemals alt fühlen werde. Wäre ja auch traurig.. Trotzdem wird von einer Frau in meinem Alter ein ganz anderes Leben erwartet. Ich habe kürzlich eine Kollegin von früher getroffen (ich habe jetzt bewusst nicht „alte“ Kollegin geschrieben), sie meinte nur: „Kommst du dir nicht uralt vor, mit all den jungen Studenten?“ Am liebsten hätte ich geantwortet: „DU kommst mir uralt vor mit deinem Blazer und den Stöckelschuhen!“ – Habe ich aber natürlich nicht. Aggression ist brav in der Schublade geblieben, ich habe nett gelächelt und gesagt: „Nope“. Ganz wie das junge Leute so machen. 🙂

Ich will mich eigentlich nicht über eine Zahl definieren, ich will gerne als Mensch wahr genommen werden und die meisten machen das auch. Auf der Uni habe ich super liebe Leute getroffen und ganz generell – ich glaube, die Person, die die größten Probleme mit meinem Alter hat, bin letztendlich ich selbst. Ich mache mir am meisten Druck. Wenn ich einen süßen Typen kennen lerne, der wesentlich jünger ist als ich, habe ich das Gefühl, ich müsste ihn sofort aufklären. Nicht so wie ihr das jetzt denkt- sooo jung sind die Männer dann auch wieder nicht! Aufklären bezüglich meines Alters meine ich!!! Als wäre mein Alter ein Makel, den er irgendwann an mir entdecken würde. Als würde diese Zahl mich unattraktiver oder weniger liebenswert machen. Als müsste ich sie mir auf die Stirn tätowieren, damit auch niemand glauben könnte, ich wäre jünger, als ich es eigentlich bin. Ich fange schon an, mich dafür zu entschuldigen.. So quasi: „Ähm, sorry, dass ich schon so alt bin, falls du mich deshalb jetzt nicht mehr magst, kann ich das verstehen.“ Echt jetzt? Ich muss mir selbst mal einen Schlag ins Gesicht verpassen, denn das ist lächerlich. Wir sind, wer wir sind. Meine Persönlichkeit ist so groß, dass sie gar nicht auf ein Ausweisdokument passt. Nicht mal in ein sehr dickes Buch! Ich habe so viele Seiten in mir und an mir und wenn ein Mensch sich tatsächlich abschrecken lassen würde, weil da eine Zahl in meinem Führerschein steht, die ihm nicht passt, würde ich diesen Menschen gar nicht kennen lernen wollen

Und apropos Bücher… ich habe mein Buch endlich fertig geschrieben. Ja, tatsächlich, auf meine alten Tage hin werde ich noch diszipliniert. 😉 Ich nenne es jetzt auch Buch, weil ich es einer Freundin zum Lesen gegeben habe und sie hat alle 311 Seiten in drei Tagen gelesen. Sie hat tatsächlich die Geschichte verstanden und nicht nur das, sie hat mich mit Lob überschüttet.. Nun gut, sie ist eine Freundin und man darf ruhig noch mal fünfzig Prozent der Lobeshymne abziehen, aber dann bleibt trotzdem noch ein wahrscheinlich ganz passables Buch übrig. Das reicht mir auch schon. Es ist mein Baby. Und ich bin mächtig stolz darauf. Ich habe immer gesagt „Ich schreibe“ und lange Zeit (34 Jahre und zwei Wochen lang) habe ich mich fast ein bisschen geschämt, das zu sagen. Wer bin ich, dass ich so etwas von mir behaupten darf, bei all den wirklich großen Schriftstellern dieser Welt? Aber ich habe zwei Jahre an einer Geschichte gearbeitet und jetzt, da sie fertig ist, kann ein anderer Mensch in sie eintauchen, sie verstehen, meine Gedankengänge nachvollziehen, etwas dabei fühlen und darüber nachdenken. Ich habe etwas geschaffen. Etwas aus meinem Kopf zu Papier gebracht: Eine Welt, Charaktere, eine Geschichte… und darauf bin ich mächtig stolz, komme was wolle

So aber jetzt genug der Schnulzerei. Bald gehe ich auf Reisen. Zentralamerika für 7 Wochen! (Falls irgendwelche Einbrecher das jetzt lesen und in meine Wohnung einbrechen wollen- ich habe gar keine Wohnung! 🙂 Alles hat seine Vorteile!!)

Ich werde auch dort schreiben, aber eher nicht in meinem Blog- wie ihr vielleicht festgestellt habt, bin ich da mega nachlässig… Vielleicht mache ich aber dann auch mal so was extrem Jugendliches wie „Storys“ auf Instagram oder so. Ich darf meine 68 Follower (vielleicht nach diesem Eintrag ein paar weniger) ja nicht enttäuschen! Fanbase und so, ihr wisst schon, was ich meine!

Also in diesem Sinne, alles Liebe und Gute für das neue Jahr an alle jungen und alten Säcke da draußen! Wir leben noch!

Eure Vera.

P.S. Wenn euch der Sinn dieses Eintrages entgangen ist- das nennt man Selbsttherapie- ich fühle mich schon viel besser! 🙂

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

2 Kommentare zu „Ich lebe noch..

  1. Hmm also ich bin jetzt 29 und habe manchmal die gleichen Gedanken wegen dem Alter. Ich merk auch langsam, wie mich Girls unter 25 einfach abtörnen. Daher kann ich deine Reaktionen bei jüngeren Männern verstehen. Und gratuliere zu deinem Buch. Wenn man es kaufen kann, ich würde es sofort machen😊 wundervollen Tag wünsche ich dir und falls kein Blogeintrag mehr kommt, wunderschöne Ferien 😇

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