Schwarz, Weiß, Grau…

Hallo ihr Lieben! Heute möchte ich mal über ein ernsteres Thema schreiben. Also nicht, dass mir nicht alles, was ich schreibe, auch in irgendeiner Form am Herzen liegt, aber es gibt da schon noch mal Unterschiede. Also meine tinder Dates sind jetzt vielleicht nicht ganz so gravierend wichtig, wie meine posts über die mehr oder weniger dunklen Abgründe der Menschheit. Wobei- vielleicht zählt tinder da auch irgendwie dazu..

Heute geht es jedenfalls um Grenzen. Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn vielleicht, oder aber einfach nur um Grenzen des guten Geschmacks. 

Früher, als ich mal in Frankreich gelebt habe, stand auf meiner Wand ein Satz: „Ich möchte nicht mit meinen eigenen dunklen Seiten sprechen.“ Das mag jetzt ganz absurd klingen, aber damals habe ich mir diesen Satz bewusst an die Wand geklebt, denn ich war zum ersten Mal längere Zeit ganz allein unterwegs und habe anfangs niemanden gekannt und meine Französischkünste waren- sagen wir mal- bescheiden. Jedenfalls hatte ich plötzlich sehr viel Zeit für mich, um zur Ruhe zu kommen, nachzudenken und meine Gedanken wurden auf einmal ganz schön laut. Wer bin ich eigentlich? Warum lebe ich hier? Ist die Welt nicht total verrückt? Bin ich vielleicht verrückt? 

Einige von euch würden das jetzt bestimmt mit „Ja“ beantworten und ich stimme euch in gewisser Weise schmunzelnd zu. Aber nur deshalb, weil ich ruhigen Gewissens sagen kann, dass jeder und jede von uns diese kleine Prise Verrücktsein in sich hat. Ich stelle einfach mal ganz dreist die These auf, dass es eine menschliche Eigenschaft ist, den Verstand zu verlieren und niemand auf der ganzen Welt davor gefeit ist, wenn die Umstände nur dementsprechend furchtbar sind. 

Bei manchen Tiefseetauchern da draußen ist die Grenze vielleicht näher, als bei anderen. Manche meiner Freunde erscheinen schier unerschütterlich, trotzen den widrigsten Bedingungen und spazieren trotzdem noch als Strahlemann/-frau durch die Weltgeschichte, während andere immer sehr nah an dieser dünnen Linie zwischen Bodenhaftung und Verlorengehen stehen. Ich selbst zähle mich zu beiden Gruppen. Ich kenne diese dunklen Seiten und habe lange versucht, sie entweder gekonnt zu ignorieren oder komplett einzutauchen und mich darin fast zu ertränken. Daher kann ich heute mit gutem Gewissen sagen: 

Man kann lernen. 

Jetzt balanciere ich sehr gerne an dieser Linie entlang und nutze meine Fähigkeit in die menschlichen Abgründe zu blicken für meine Kreativität. Ich schreibe. Das wisst ihr ja. Im Moment schreibe ich gerade an einer fiktiven Geschichte einer jungen Frau, die eines Tages in einer Psychiatrie erwacht und nicht mehr weiß, wer sie ist. Hey- FIKTIV!!! 😉

Ein Mensch, der in meinen Augen ein echter Künstler ist, hat einmal zu mir gesagt, ich müsste erst die Kontrolle verlieren, komplett los lassen, um mich dann richtig entfalten zu können. Denn im Moment scheine ich, in seinen Augen zumindest, noch nicht mein volles Potenzial an Geisteskrankheit für die Kunst auszuschöpfen.:) 

Ich kann dazu nur sagen, ich sehe es anders. Wahnsinnig zu werden in dieser Welt ist gar nicht so schwer. Da draußen laufen viel mehr kreative Seelen herum, als wir für möglich halten. Viele glauben, die ultimative Inspiration in Drogen, etc. zu finden und sich erst dann richtig gehen lassen zu können. 

Ich besitze die Gabe, völlig nüchtern mitten auf einer leeren Tanzfläche zu stehen und die Musik so sehr in jeder Faser meines Körpers zu spüren, dass ich mich nicht mehr halten kann und völlig los lassen muss. 

Ich bin aber jeden Tag dankbar dafür, dass ich Bodenhaftung habe und fest verankert bin. Ich kann mich, im Moment zumindest, auf meinen Verstand verlassen. Die Kunst besteht darin, die Welt manchmal tatsächlich aus einer anderen Perspektive zu sehen, vielleicht trotzdem hier und da mit seinen eigenen dunklen Seiten zu sprechen, sich damit auseinander zu setzen und letzten Endes oder Anfangs daran zu wachsen und dann wieder festen Schrittes und auf festem Untergrund voran zu schreiten.

Manchmal schreiben mir hier Menschen, dass ich ihnen aus der Seele spreche und ganz ehrlich: Das bedeutet mir etwas. Auch wenn es nur wenige sind, jeder und jede zählt. Es ist schön, sich frei zu fühlen, das Leben zu fühlen und sich nicht dafür zu schämen, auch mal etwas am Verrücktsein zu kratzen. Das macht das Leben lebens- und liebenswert. Aber verliert euch nicht am Weg. Kunst darf auch gesund sein und ein Künstler muss nicht (nur) leiden, um Kunst zu machen. 

Und auch für all diejenigen, die so gar nichts mit diesem Post jetzt anfangen können… Ich schreibe hier einfach immer meine Gedanken auf. Das kann an manchen Tagen tiefer gehen und an anderen erzähle ich von meinem Mittagessen. Ihr werdet es nicht glauben, aber auch darüber kann ich mich vier Seiten lang auslassen 😉

Alles Gute für heute, eure Vera!

Veröffentlicht von WhoIsVeraVis

Ich weiß noch nicht, wer ich bin, aber ich bin höchst erfolgreich dabei, es herauszufinden...

2 Kommentare zu „Schwarz, Weiß, Grau…

  1. Dieser Beitrag ist Gold wert, liebe Vera!
    Es gibt meiner Meinung nach keine Grenze zwischen Realität und Wahnsinn. Wir bewegen uns in einem Wahnsinn, den wir selbst gerne Realität nennen. Drogen können ein Input dafür sein, aus diesem Wahnsinn auszubrechen.
    Das wichtigste um nicht völlig den Verstand zu verlieren? Die Gedanken ordnen, sich nicht ihnen ergeben und vor allem, nicht negative Energie Überhand nehmen lassen. Ich bin nächste Woche 29 Jahre alt. Seit ich mich erinnern kann, war ich depressiv und nicht davor befreit, negativen Gedanken keinen Platz zu geben. Erst letztes Jahr, nach einem Blackout, habe ich mich in Therapie gegeben und mich den negativen Gedanken gestellt. Wenn ich jetzt zurückblicke auf mein persönliches Vierteljahrhundert, kann ich von mir behaupten, dass ich mehr im Wahnsinn als in der sogenannten Realität unterwegs war.

    Liken

    1. Ich habe noch nicht ganz begriffen, wie WordPress funktioniert und erst jetzt gesehen, dass du das hier kommentiert hast. Ich finde deinen Beitrag sehr schön. Es gibt wahrscheinlich kein besseres Gefühl, als zu wissen, dass meine Gedanken vielleicht jemand anderen in irgendeiner Form berühren oder zumindest nicht kalt lassen. Danke dafür 🙂

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: